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Schloß Schweigern. 35
näher kamen, als wüßten ſie, daß der Jagdſpieß des Grafen es nicht wagen würde, ihnen ein Leid zu thun.
Im Parke, der das Schloß umgab, war unter hohen Platanen und Buchen eine Stelle, wo die Prinzeſſin am liebſten verweilte. Dort ſah man Thal Schweigern vor ſich ausgebreitet liegen, und der Blick ſchweifte mit Entzücken über die kleinen Bäche, die es durchſchnitten, oder flog die Thalwände hinauf, die aus grünen friſchen Wieſen beſtanden, woran ſich die dichten Waldungen reih⸗ ten, deren wechſelnde gezackte Grenze ſich freundlich abzeichnete.
Von dieſem Platze führte ein Weg abwärts bis an den Fuß des kleinen Hügels, auf welchem Schloß Schweigern lag und wo allem Anſchein nach ein kleiner See liegen mußte. Allein bis zu dieſer
Stelle hatte weder der Graf, noch einer aus der Knappenſchaar je
dringen können, denn am Ende des Weges hemmte ein undurch⸗ 3
dringliches Gebüſch jeden weitern Schritt, ſogar jeden neugierigen Blick. Schon oft hatte man verſucht, einen Theil des Gebüſches niederzuhauen, das wie eine Laube jenen See einfaſſen mußte, und deſſen Zweige gleichfalls oben zuſammen gewachſen waren, aber ver⸗ gebens. Da ſaß eines Abends die Prinzeſſin auf ihrem Lieblings⸗ platze und war in Träumereien verſunken, wie ſchön das Thal erſt werden müſſe, wenn der Zauber von ihm genommen ſei und es wieder mit der äußern Welt in Verbindung treten könne.
So denkend, ſtand ſie auf und wandelte den Weg hinab bis an jenes Gebüſch und ſah, wie ſie ſich ihm näherte, zu ihrer nicht geringen Verwunderung vor ſich durch die dichten Zweige einen kleinen Weg, der ihrem Blick geſtattete, den klaren, aber regungs⸗ loſen Spiegel eines Sees zu entdecken. Im erſten Augenblick
woollte ſie umkehren, doch wurde ſie durch eine unſichtbare Macht
vorwärts getrieben, betrat den kleinen Pfad, der nie zuvor da ge⸗ weſen war und der ſie an das Ufer jenes kleinen Sees führte. Wie wuchs aber hier ihr Erſtaunen, als ſie auf demſelben in der
Mitte des Waſſers eine Pflanze ſah, deren Blätter kohlſchwarz und


