Teil eines Werkes 
13. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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32 Schloß Schweigern. wagt haben, doch ſei verſichert, daß ich dir aus allen Kräften da⸗ für dankbar ſein werde.“

Die gute Prinzeſſin mußte jetzt doch über den Stolz der Frau Adlerin herzlich laut lachen, machte aber ihre Armſpange los

und reichte ſie dem Vogel, der ſich in Dankſagungen ergoß und

vergnügt gen Himmel flog, nachdem er eine dritte Feder zurückge⸗ laſſen hatte, welche die Prinzeſſin gedankenlos aufhob und zu den zwei erſtern ſteckte. Dann ging ſie in's Zelt zurück und ſchlief mit der Hoffnung, den Grafen Raimund morgen wieder zu ſehen, recht froh und gücklich ein.

Dieſer war indeſſen durch die Ankunft ſeines Freundes nicht

wenig überraſcht worden und zugleich ungemein entzückt über die

frohe Botſchaft, die er ihm mitgebracht. Da es aber dem bie⸗

dern Ritter nicht beſſer erging, als dem Grafen Raimund und

der ganzen Knappenſchaar, indem er beim Eintritt in's Thal Schweigern ſtumm wie ein Fiſch wurde, ſo hatten die Beiden an⸗ fänglich manche Schwierigkeit, ſich zu verſtändigen, denn die ſonder⸗ bare Zeichenſprache, die im Schloſſe angewendet wurde, war dem Neuangekommenen gänzlich fremd.

Graf Raimund wußte ſich vor Entzücken über ſein Glück nicht zu faſſen. Zum erſten Mal befahl er den Knappen, ihre Waffen zu putzen und in guten Stand zu ſetzen, und eilte dann ſtündlich hinaus an die Grenze ſeines Thales, um nach dem aurückenden Zuge auszuſpähen. Alles in Schloß Schweigern war in der größ⸗ ten Thätigkeit und bemühte ſich, Burg und Park aufs Beſte her⸗ auszuputzen; ja es war, als wüßten ſelbſt die lebloſen Gegenſtände, wen ſie zu empfangen hätten, denn die Blumen hatten nie ſo herr⸗ lich geduftet, nie in ſo ſchönen Farben geprangt, wie gerade an dieſem Tage. Selbſt in die uralten Eichen und Buchen ſchien die Begierde gefahren, ſich gegen die einreitende Prinzeſſin galant zu zeigen, denn die alten Stämme, die ſonſt mit ihren Zweigen mür⸗ riſch den Weg verſperrten, ſtreckten dieſe höher empor und bildeten