Teil eines Werkes 
13. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Schloß Schweigern. 31

druck, als er ihr ſagte:„ach, gnädigſte Prinzeſſin, du wirſt deine Güte gegen mich verwünſchen, denn ich komme auf's Neue, dich um etwas zu bitten. Die Frau Adlerin hat dein Krönchen ſo nach ihrem Geſchmack gefunden, daß ſie mich quälte, dich auch um deine Halskette zu bitten, die herrlich dazu paſſen würde. Ich kenne dein gutes Herz und würde dir, wenn du meine Bitte ge⸗ währſt, dafür ſehr dankbar ſein.“

Die Prinzeſſin, die auf's Neue über den Stolz der Frau Ad⸗ lerin lächeln mußte, mochte in ihrem guten Herzen dem bedrängten Vogel ſeine Bitte nicht abſchlagen, ſondern löste ihre Halskette und gab ſie dem Adler, der alsbald damit verſchwand, nachdem er auf's Herzlichſte gedankt hatte. Auch diesmal ließ er wieder eine Feder zurück, welche die Prinzeſſin zu der erſten ſteckte.

Der andere Tag brachte ſie an das Ziel ihrer Reiſe. Sie erreichten den ſchönen klaren Neckar und lagerten ſich ſo, daß ſie vor ſich die Höhen erblickten, welche Thal und Schloß Schweigern um⸗ gaben. Hier, ſo im Angeſichte des Ortes, wo ihr künftiger Ge⸗ mahl weilte, konnte die Prinzeſſin gar nicht in dem Zelte ver⸗ bleiben, ſondern trat hinaus und ſchickte manche Grüße jenem Thale zu. Wenn ſie auch an den Beſuch des Adlers von geſtern und vorgeſtern dachte, ſo hätte ſie ſich doch nicht träumen laſſen, daß er heute wieder kommen und nochmals um Etwas bitten würde. Und doch war dem ſo. Kaum hatte ſie den ſchönen Vollmond einen Augenblick angeſehen, ſo rauſchte es über ihrem Haupte, und der Adler ſenkte ſich wieder herab, ſah aber noch viel verdrießlicher und unmuthiger aus, als geſtern.„Ach, gütigſte Prinzeſſin,“ ſprach er,„ich werde vor deinem Herzen als ſehr un⸗ verſchämt erſcheinen, denn Frau Adlerin hat mich ſo lange gequält, bis ich ihr verſprach, dich auch noch um deine Armſpange zu bit⸗ ten, damit das ganze ſchöne Geſchmeide vollſtändig ſei. Wenn ich nicht dein gutes Herz kennte, würde ich dieſe Bitte nicht ge⸗