Teil eines Werkes 
13. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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30 Schloß Schweigern.

ließ ſich der Adler herab, umſchwebte ſie mit rauſchendem Flügel⸗ ſchlag ganz nahe, ſo daß die arme Prinzeſſin nicht von der Stelle konnte. Beſtürzt blickte ſie den Vogel an und verwunderte ſich nicht wenig, als er ehrerbietig den Kopf neigte und ſie anredete, „Schönſte Prinzeſſin,“ ſprach er,„vergib, daß ich dich beunruhige; doch ſah ich hoch in der Luft, wie hier unten im Mondſchein das goldene Krönlein ſo herrlich glänzte, das du auf deinem Haupte trägſt, und mich faßt ein unüberwindliches Verlangen, ſolches für mein Weib, die Frau Adlerin, zu erbitten. Ich kenne dein gutes Herz, und würde dir, wenn du meine Bitte gewährſt, dafür ſehr dankbar ſein.“

Als die Prinzeſſin den Vogel ſo anſtändig reden hörte, ver⸗ lor ſie alle Furcht, indem ſie innerlich über die Eitelkeit des Adlers, daß er ſeine Frau mit einer Krone ſchmücken wollte, lächeln mußte. Aber ſie machte das Geſchmeide von ihrem Haupte los, und reichte es dem Vogel. Dieſer nahm es mit ſeinen Krallen, bedankte ſich auf's Zierlichſte und ſchwang ſich den Wolken zu, wo er bald ver⸗ ſchwunden war.

Die Prinzeſſin blickte ihm nach und als ſie darauf wieder in's Zelt gehen wollte, bemerkte ſie, daß vor ihr auf der Erde etwas Glänzendes lag. Sie betrachtete es näher und ſah, daß es eine glänzend ſchwarze Feder des Adlers war. Sie hob ſie auf und nahm ſie mit ſich in'’s Zelt.

Den folgenden Tag zog der ganze Hofſtaat weſter und lagerte ſich den Abend wieder auf einem großen freien Plan unter den Zelten. Die Prinzeſſin, die ſich ihres geſtrigen Abenteuers erin⸗ nerte, ſetzte ſich abermals in den Mondſchein und dachte in ihrem guten lieben Herzen an die Freude, welche die Frau Adlerin über das Krönlein haben würde, blickte dabei zufällig aufwärts, und ſah mit Erſtaunen, daß der Adler wieder über ihrem Haupte ſchwebte und ſich langſam herabließ. Er kam näher, verneigte ſich wieder vor der Prinzeſſin; allein heute hatte ſein Auge einen traurigen Aus⸗