Schloß Schweigern.
zu ſenden, aber der böſe Zauber ließ keinen hinaus und alle kehr⸗
ten unverrichteter Sache in’'s Schloß zurück. So ſaß er eines Tages in dem Park unter ſeinen Blumen und unterhielt ſich mit ihnen, wie mit der entfernten Geliebten. Ihm war das ſchneeweiße, ſammtartige Blatt der Lilie der herr⸗ liche Grund ihres lieben Geſichtes, die heimliche Farbe der duftigen Nachtviole blickte ihn ſtill und liebend an, wie in der glücklichen Zeit ihre ſchönen Augen, und die eben aufgebrochene purpurrothe Roſe hauchte ihre wunderbaren Wohlgerüche an ſein Geſicht, und es war ihm, als vernähme er in dem zarten Duft eine heimliche Klage, ein leiſes Flüſtern, das ihm von ihren Grüßen ſprach. So ſaß er in Träume verſunken da, als eine von den ſchneeweißen Tauben, deren Flug um das Schloß und den Park er oft zugeſehen Ahatte, ſich auf ſeine Schultern ſetzte und den Kopf an ſeine Wan⸗ gen lehnte. Er ſtreichelte das hübſche Thierchen und fühlte plötz⸗ 8 lich unter ſeinen Fingern einen kleinen goldenen Reif, den die Taube an ihrem Hals befeſtigt hatte. Raſch unterſuchte er das Halsband und glaubte anfänglich, Noa's Bötin habe auch ihm ein Blatt der Hoffnung von der fernen Geliebten gebracht. Doch fand er nichts an dem Ringe, als einen kleinen Haken, an den man einen Brief zu befeſtigen pflegt. Nicht ſobald hatte er dieſen ent⸗ deckt, als ihm dieſe Taube wie ein Wink des Schickſals vorkam, um durch ſie einen neuen Verſuch zu machen, der Geliebten die
3 Verſicherung ſeiner unwandelbaren Treue zukommen zu laſſen. Ge⸗ dacht, gethan. Er beſchrieb in kurzen Worten ſeinen Aufenthalt
im Schloſſe Schweigern, ſprach von dem Schmerze ſeines Herzens, die Geliebte nicht zu ſehen, und vielleicht auf ewig von ihr ge⸗ trennt zu ſein, befeſtigte dies Blättchen an dem Haken des Ringes und ließ das Thier auffliegen. Sogleich erhob ſich die Taube hoch in die Luft, ſchwang ſich höher und höher, und der Graf ſah mit Entzücken, wie ſie bald die Geenzen des verzauberten Thales 4 laſſen hatte und ſich in der Fün or
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