28 Schloß Schweigern.
Am Hofe des Königs hatte ſich indeſſen auch ſeit dem Abzug des Grafen Raimund Vieles und Trauriges zugetragen, und der König, der geglaubt hatte, ſobald der Graf entfernt ſei, würde ſeine Tochter dieſen bald vergeſſen haben, ſah zu ſeinem Schrecken ein, daß er ſich ſehr geirrt. Von dem Tage an, wo die Herolde des Grafen zum Abſchiede blieſen: 4
„Im Grab iſt Ruh““
war es, als habe die arme ſchöne Prinzeſſin dieſen Gedanken er⸗ faßt und fände an dem lauten Getreibe des Hofes kein Behagen mehr. Ihre feurigen Augen erloſchen, ihr munteres Weſe ſchwand, und nicht genug, daß ſie die Launen des Königs durch
ihr freundliches Geplauder nicht mehr verjagen konnte, mußte dieſer
ſich dazu entſchließen, die trüben Stunden der Prinzeſſin zu erhei⸗
tern, was er denn auch mit allen möglichen Troſt⸗ und Vernunft⸗ 3 gründen zu thun verſuchte, ſich dabei anfänglich aber wohl hütete,“ des Einzigen, der ihrem Herzen wirklich Troſt bringen konnte, zu erwähnen. Doch nicht lange war das Vaterherz des Königs im Stande, den Schmerz ſeines liebſten Kindes mit anzuſehen. Ueber⸗ dies bemühte ſich der Freund des Grafen, der bei dem Herrn in hoher Gunſt ſtand, ihn zum Guten zu bewegen, wodurch der Kö⸗ nig am Ende erweicht wurde und geneigt ſchien, dem Grafen ſeine Tochter zur Gemahlin zu geben.
Mit dieſer guten Botſchaft ſchickte der Freund ſechs Reitende nach einander mit Briefen der Prinzeſſin an den Grafen ab, von denen jeder ein Poſtſcriptum des vorangegangenen war. Allein Alle kehrten nach wenigen Tagen unverrichteter Sache mit der Nachricht zurück, der Graf ſei weder auf ſeine Burg an der Donau heimgekehrt, noch habe er Botſchaft geſandt, wo er hingeritten ſei.
Jetzt erhob ſich der Jammer von Neuem und der gute König, der
urch die Thränen ſeiner Tochter an Ende ſelbſt auf den Gedan⸗ ebracht wurde, der Graf habe ſich ein Leid gethan oder ſei


