Teil eines Werkes 
13. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Schloß Schweigern. 23

auf den Weg nach ſeinem Schloſſe Schweigern zu machen. Die Schaar ſeiner Knappen und Reiſigen wußte anfänglich nicht, warum der Graf ſein Roß nach einer ihnen unbekannten Gegend hinwandte, und folgte ihm mehrere Tage lang, bis ſie zu den Ufern des Neckars kam, wo ihr der Graf ſeinen Entſchluß kund that.

Anfänglich ſtutzte das Gefolge nicht wenig und verſuchte es, den Grafen von der Vermeſſenheit abzuhalten, in jenes verrufene Thal zu dringen, deſſen ſtille Schreckniſſe den Jüngern aus dem Munde der Aelteren bekannt waren. Allein da der Graf feſt auf ſeinem Vorhaben beſtand und all' denen, die ihn verlaſſen wollten, freien Urlaub bewilligte, befand ſich kein Einziger, der ſeinen Herrn im Ernſt hätte verlaſſen mögen, und alle erklärten ſich bereit, ihm nöthigen Falls in die Hölle zu folgen.

Nachdem der Trupp an den Ufern des Neckars eine Weile ausgeruht hatte, ſchickte der Graf einen Reiſigen nach einigen jener Wartthürme hinauf, die an den Ufern des ſchönen Fluſſes ſtanden, und erbat ſich Jemand, der ihm den Pfad nach Thal und Schloß Schweigern zeige. Bei dieſer Bitte bekreuzte ſich anfänglich die edle Knappenſchaft droben, und erſt als ſie hörten, daß der recht⸗ mäßige Beſitzer von Schloß Schweigern dort unten halte, ſandten ſie einen hinab, der dem Grafen querfeldein vorritt. Bald ſah die kühne Schaar eine Bergkette vor ſich liegen, welche ihnen der Knappe als die Höhe bezeichnete, die das Thal Schweigern um⸗ ſchließt. Auch gab er ihnen die ungefähre Richtung an, nach wel⸗ cher ſie hinreiten müßten, um einen der Wege zu finden, die früher in's Thal geführt, beurlaubte ſich dann von dem Grafen, wandte ſein Roß und ſprengte im vollen Gallop den Weg nach ſeiner Heimath zurück. 4

Graf Raimund, der viel zu ſehr mit der entfernten Geliebten⸗ beſchäftigt war, um an gefährliche Abenteuer, die ihm hinter jenen Bergen aufſtoßen könnten, zu denken, ritt ruhig die Höhe hinan. Ihm folgte zwar die Schaar ſeiner Reiſigen, doch ſah man an den