22 Schloß Schweigern.
der nachblickenden Geliebten durch Farben der Feldbinde und Klei⸗
dung ſeine traurigen Gefühle kund geben. So zog er am folgenden Morgen aus; ſeine Herolde blieſen
wehmüthig das Lied:
„Im Grab iſt Ruh“
und der ſchöne Graf, der in den reichſten, prächtigſten Gewändern eingeritten war, verließ das Hoflager in kohlſchwarzer Rüſtung und in einer Feldbinde von himmelblauer Farbe als Zeichen der Treue. 5 Wie ſehr hatten ſich ſeine Gedanken, ja ſein Herz verändert, ſeit er ſeine luſtige Burg an der Donau verlaſſen. So traurig ſich auch jetzt ſein Leben zu geſtalten begann, ſo kam ihm doch ſein damaliges Treiben unter ſeinen Freunden noch viel ſchaaler und nüchterner vor; denn das Bild, das er jetzt in ſeinem Herzen trug, war, wenn auch mit Trauer umgeben, doch von einem kleinen Hoff⸗ nungsſtrahl beglänzt, und füllte all ſein Denken ſo ſüß aus, daß Ler andern Gegenſtänden auch nicht den kleinſten Platz gönnen mochte. 4 Wenn er ſonſt von Streifzügen heimkehrte, dachte er mit Luſt an ſeine ſtattliche Burg und freute ſich, ſeine Pferde, Mannen, ia ſelbſt ſeine Hunde wieder zu ſehen, allein jetzt dachte er mit Unmuth an alle dieſe Sachen und an das laute Getümmel ſeiner Freunde, und wäre viel lieber für ſich geblieben, um ſeinen ſtillen Träumereien ungeſtört nachhängen zu können. Während er in dieſen Gedanken geſenkten Hauptes die Straße dahin ritt und ſei⸗ nem Roſſe die Zügel ließ, fiel ihm plötzlich ſein nie betretenes Beſitzthum, das einſame Schloß Schweigern, ein. Er ſuchte in ſeinem Gedächtniß all' die Erzählungen zuſammen, die man ihm von dem ſchönen ſtillen Thale gemacht, erbaute ſich daraus einen Aufenthalt, der ihm zu ſeiner betrübten Gemüthsverfaſſung ſehr paſſend erſchien, und führte augenblicklich den Gedanken aus, ſich


