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Schloß Schweigern. 21
läufig wenigſtens im Geheimen, zu ihrem Ritter an. Doch war damit noch nicht viel gewonnen und wenn auch in phantaſiereichen Augenblicken Graf Raimund ſich Hoffnung machte, daß ihm der König doch vielleicht ſeine jüngſte und geliebte Tochter zur Gemahlin geben würde, ſo fielen dieſe ſchimmernden Plane bei kälterem Be⸗ leuchten wieder gänzlich zuſammen und die beiden Freunde geſtan⸗ den ſich, daß ſie vor einer weiten Kluft ſtünden, die auszufüllen oder zu überſchreiten, wohl unmöglich ſein würde.
und ſo war es auch. Nicht ſo bald hatte der König durch geſchäftige Zwiſchenträger, die ſich überall unberufen eindrängen, von einem Einverſtändniß erfahren, das zwiſchen ſeiner Tochter und dem Grafen Raimund ſtattfinden ſollte, als er in einen gelin⸗ den Zorn ausbrach und in einer vertraulichen Stunde die Prinzeſſin ausforſchte. Hier ſah denn nun der König zu ſeinem Schrecken ein, daß ſich die Sache wirklich ſo verhalte und das Herz der Toch⸗ ter ſehr zwiſchen väterlicher Liebe und der Treue, die ſie dem Gra⸗ fen zugeſchworen, ſchwanke. Da nun eine Verbindung zwiſchen Beiden das Letzte war, woran der König in ſeiner Ueberraſchung dachte, ſo bemerkte er dem Grafen in einer Unterredung, es ſchiene ihm ſehr, als bedürften ſeine weitläuftigen Güter der unmittelbaren Aufſicht ihres Herrn, und da Raimund dieſen Wink verſtand, ſo wurde er nicht wenig beſtürzt, und empfahl ſich mit halb ge⸗ brochenem Herzen dem Könige zu fernerer Gnade und weiterem Wohlwollen.
Mit welchen Gefühlen der Graf in ſeine Wohnung zurückkam und dem Freunde Bericht erſtattete über alle fehlgeſchlagenen Hoff⸗ nungen, kann man ſich leicht denken. Sein Stolz erlaubte ihm
nicht, auch nur einen Tag länger bei Hofe zu bleiben, und das
zu ſchwören, mußte er ſeinem Freund überlaſſen und konnte nur
Schlimmſte war, daß er nicht einmal mehr Gelegenheit fand, die Prinzeſſin zu ſehen. Ihr nochmals Liebe und Treue bis zum Grabe


