Teil eines Werkes 
13. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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20 Schloß Schweigern.

in's Gemach trat, und erbleichte, wenn man von ihm ſprach, kurz, die Stunde der guten Prinzeſſin hatte ebenfalls geſchlagen.

In der erſten Zeit hatte das liebende Paar Niemand, dem es ſeine Noth klagen konnte. Es geht den vornehmen Perſonen darin weit ſchlimmer, als den geringen. Der Graf, wenn er ſich auch in einſamen Stunden manchen Blick der Prinzeſſin, manches Lächeln

zu ſeinem Vortheil zuſammen zu reimen ſuchte, ſtürzte doch den

Augenblick darauf dieſe glänzenden Luftſchlöſſer wieder um, glaubte nicht an ſein Glück, von der Prinzeſſin geliebt zu werden, und war der Unglückſeligſte aller Sterblichen. Wenn es auch der Prin⸗ zeſſin in einem Punkt beſſer erging, und ſie wohl an dem Beneh⸗ men Raimunds ſah, was er für ſie fühlte, ſo war ſie doch auf der andern Seite viel mehr gefeſſelt, und mußte auf ihre Mienen und Worte genauer Achtung geben, um den Zuſtand ihres liebenden Herzens nicht in einem unbewachten Augenblicke vor dem Papa, den Schweſtern oder dem Grafen zu verrathen.

Dieſer hatte nur einen einzigen vertrauten Freund bei Hofe, ein biderber Ritter, der mehrere Züge in das heilige Land gethan. Dieſem erzählte er an einem ſchönen Morgen ſeine ganze Leidens⸗ geſchichte. Anfänglich ſtutzte derſelbe ob der vermeſſenen Idee, daß ſein Freund ſein Auge zur Tochter des Königs erhoben, doch da er wußte, daß ſich die Liebe nicht gebieten läßt, verſprach er dem Grafen ſeine Hülfe, und hatte auch bald Mittel und Wege entdeckt, durch die er erfuhr, daß die Prinzeſſin das Bild ſeines Freundes ebenfalls mit der glühendſten Liebe in ihrem Herzen aufgeſtellt hatte. Dieſe Nachricht, die den Grafen Raimund im erſten Augen⸗ blick vor Freuden außer ſich brachte, räumte manche Schranke, die ſich der Annäherung der beiden Liebenden entgegen geſtellt, hinweg und in kurzer Zeit ſahen ſie ſich zum erſten Mal ohne Beiſein des ganzen Hofes. Der Graf ſtürzte der Prinzeſſin zu Füßen, ſchwor, ohne ſie nicht leben zu können, und nachdem hin und wieder einige Thränen gefloſſen, reichte ſie ihm die Hand, und nahm ihn, vor⸗

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