Teil eines Werkes 
13. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Schloß Schweigern. 19

als hätte er alle Tage, ehe er die Prinzeſſin geſehen, gar nicht ver⸗ lebt. Sein Pferd und ſeine Waffen waren ihm in dieſem Augen⸗ blicke nur deßhalb lieb und werth, weil er ſie mit noch größerer Tapferkeit als ſonſt zu führen hoffte, um ſich ſo durch Niederwer⸗ fung aller Gegner vor der Prinzeſſin bemerkbar zu machen. Bei⸗ des gelang ihm auch. Die neu erwachte Liebe ſtählte ſeinen ohne⸗ hin ſchon ſtarken Arm noch mehr und es wurde am Hof des Königs kein Turnier gehalten, in welchem Graf Raimund nicht einen Preis errungen hätte. Faſt alle bewährten Ritter wußten von ſeiner Fauſt zu erzählen, denn beim Turnier ſchien eine wahre Wuth über den Grafen zu kommen, und wen er mit dem Speer traf, der mußte zu Boden, da half kein Gott. Wenn die Feſtlichkeiten noch wenige Tage länger gedauert hätten, würde der Hof des Königs ein wah⸗ res Spital geworden ſein, und von den mannhaften Rittern wenige übrig geblieben, um den Fackeltanz mit aufzuführen.

Aber trotz dieſen Heldenthaten, die Graf Raimund täglich ver⸗ übte, war er doch ſelbſt nie ſo ſehr überwunden worden, als gerade jetzt. Die Feſſeln, womit ihn die Prinzeſſin umwunden, wurden immer feſter und erpreßten ihm manchen Seufzer. Ach, der tapfere Graf war nur für den Augenblick des Turniers ein Held; wenn er in ſeine Gemächer zurückkehrte und entwappnet war, ſank er ſeuf⸗ zend und klagend in ſeinen Seſſel und blickte gegenüber nach den Fenſtern der Königsburg, wo ſeine Sonne, ſein Leben wohnte. Aber auch die Prinzeſſin ſchaute jetzt öfter als ſonſt zu den Fen⸗ ſtern hinaus, und die Zofen wußten lange nicht, warum ihre Ge⸗ bieterin ſo plötzlich an den alten Mauern drüben Geſchmack gefun⸗ den habe. Auch ſie war ſeit einiger Zeit ganz verändert, blickte nicht mehr jedem unbefangen und freundlich in's Geſicht, ſondern ſchlug oft ganze Minuten lang die Augen nieder, heftete ſie dann wohl mit ungemeiner Innigkeit gedankenlos auf einen alten Panzer, der in der Ecke des Saals hing, erröthete, wenn Graf Raimund