Teil eines Werkes 
13. Bd. (1855) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

Schloß Schweigern.

wie eine Tanne des Hochwaldes, durch den Saal ſchritt und auf's Neue Aller Augen auf ſich zog. Er beugte vor dem König ein Knie, und bat um die Vergünſtigung, bei den Ringelrennen und Turnieren, die ausgeſchrieben ſeien, zu Ehren der hohen Vermähl⸗ ten einen Speer brechen zu dürfen. Der König bewillkommte ihn auf's Freundlichſte, und Graf Raimund, der ſich eines Armes von Stahl bewußt war, blickte, als er ſich von dem König erhob, for⸗ ſchend im Kreiſe der Ritter umher, ob ihm da nicht eine beſonders kräftige Geſtalt in's Auge ſalle, an der er ſich nachher verſuchen könne. Doch wenn er auch dieſe Muſterung mit feſten Blicken und etwas trotzigem Geſicht begonnen, ſo hatte er noch nicht die Hälfte des Kreiſes, der den König umgab, angeſchaut, als ſein Blick alle Sicherheit verlor und ſeine gebietenden Züge plötzlich den Ausdruck der tiefſten Unterwürfigkeit annahmen. Er hatte die Prinzeſſin er⸗ 4 blickt, die den ſchönen Grafen ebenſo verwundert anſah und zum erſten Mal in ihrem Leben die Verbeugung eines Mannes mit einer kleinen Befangenheit im Auge und einem leichten Erröthen erwi⸗ derte. Das war ein wichtiger Augenblick für Beide, und wenn das Chrenfräulein der Prinzeſſin nicht ebenſo unerfahren geweſen wäre, wie ihre Gebieterin, ſo hätte ſie wohl gewußt, warum dieſe, als der Hof aus einander und in ſeine Gemächer ging, ſo zerſtreut ge⸗ weſen wäre und auf ganz gewöhnliche Fragen die verkehrteſten Ant⸗ worten gab.

Aber dem armen Grafen erging es noch ſchlimmer, denn der tiefe Blick, den er in das ſchöne Auge der Prinzeſſin gethan, hatte ſein ganzes Denken und Fühlen umgewandelt. Er erwachte wie

aus einem langen Traume und ein neues glänzendes Licht, das in ſeinem Herzen aufgegangen, ſchien von ſeiner Bruſt trübe, düſtere Schleier zu entfernen, die ſein ganzes Denken und Trachten bisher eingehükllt. Er dachte jetzt mit Trauer und Beſchämung an die vielen Stunden, die ihm ſonſt im Toben der Jagd und im Kreiſe der luſtigen Freunde ſo ſchön erſchienen waren, und es war ihm,