Schloß Schweigern. 17
beamten behaupteten ſogar, dies holde Lächeln und die freundlichen Worte, die ſie dabei ſprach, wirkten auch auf die ſchweren Träume, die den König oft beim Nachmittagsſchlaf quälten, denn wenn er ſich auf dem ſeidenen Lager herumwarf, beugte ſich die Prinzeſſin über ihn, küßte ihm ſanft die Stirn und flüſterte leiſe, worauf die finſteren Mienen, die ihm die Träume verurſachten, plötzlich ent⸗ ſchwanden und er in einen ruhigen Schlaf verſank.
Doch wir kehren in den Audienzſaal zurück, wo die Herolde fleißig ihre ſilbernen Trompeten gebrauchen und die Pauken jedes⸗ mal einen raſchen Wirbel erſchallen laſſen, ſobald von dem Obercere⸗ monienmeiſter ein neuer Name genannt wird, deſſen Beſitzer in reichem Kleide bei dem König und den Prinzeſſinnen vorbeiſchreitet, ſich verbeugt und alsdann unter dem großen Haufen, der den König und die Prinzeſſinnen umgibt, verliert. Für letztere, beſonders für die jüngſte Prinzeſſin, waren dieſe Vorſtellungen ſehr langweilig. Schon hundertmal ſah ſie dieſelben ehrenfeſten Ritter vor ſich wan⸗ deln, ohne mehr dabei zu denken, als ob die Farben des Kleides auch gut zuſammen paßten, oder wie ſchön der und der von dieſem und jenem beim letzten Turnier in den Sand gelegt worden ſei. Sie ſah alle gleich freundlich und theilnehmend oder theilnahmlos, wie man will, an und ſchien ſelbſt nicht einmal die feurigen Blicke, die von den benachbarten Königsſöhnen oder reichen Fürſten neben dem Papa vorbei auf ſie zudrangen, zu bemerken. Wenigſtens ſchaute ſie dem jungen blühenden Ritter, der ſich ihr zu Liebe auf's Beſte geſchmückt hatte, ebenſo freundlich und unbefangen in’'s Auge, wie einem alten, dem ſie ſchon als Kind auf den Armen der Wär⸗ terin an dem langen grauen Barte gezupft hatte.
Jetzt ſchmetterten die Trompeten auf's Neue, die Pauken wir⸗ belten luſtig darein, und an den Thüren des Saals wurden fremde unbekannte Farben ſichtbar. Es war Graf Raimund mit ſeinem
Gefolge, der glänzend, wie der junge Tag, und ſchön und ſchlank, Hackländers Werke. XIII. ℳ 2


