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Schloß Schweigern.
So erzählte die alte Volksſage und ſetzte noch hinzu, in Mit⸗ ten des See's, wo der arme Prinz verſank, ſei eine Pflanze mit ſchwarzen Blättern emporgewachſen, die blutroth geſäumt ſeien, und auf deren klaren Wellen zeige ſich bisweilen ein ſchwarzer Schwan, das ſei die junge Prinzeſſin, die in entſetzlicher Trauer über ihr
Verbrechen umherſchwimmen müſſe, bis der Zauber gelöst ſei. Doch wie dies geſchehen könne, wußte Niemand.
Das Alles hatte ſich, wie⸗ geſagt, vor langen Zeiten begeben,
und man wußte ſelbſt nicht einmal genau, ob Thal und Schloß Schweigern jetzt noch einen Herrn habe oder nicht. Niemand küm⸗ merte ſich darum, und da in jenen Zeiten wie überall, ſo auch an den Ufern des Neckars, auf viel Land wenige Menſchen kamen, ſo ließ man das Thal links liegen und vergaß es allmälig. Die Wege, die früher hingeführt, überwuchſen nach und nach mit Gras und Unkraut oder es erhoben ſich ſogar mächtige Bäume auf den⸗ ſelben, mit ihren ſtarken Aeſten die Eingänge in's Thal gleich eiſer⸗ nen Gittern verſchließend.
Und doch lebte noch Jemand auf der Erde, dem Schloß Schwei⸗ gern als rechtmäßige Erbſchaft zugefallen war. Allein dieſer hatte ſelten nach dem Erbgute Erkundigungen eingezogen, und wenn er es gethan, ſo waren die Nachrichten, die er darüber erhielt, nicht einladend genug, um dem unbekannten Beſitzthum einen Beſuch zu machen. Wäre er ein alter, lebensmüder Herr geweſen, der die Welt genugſam kennen gelernt hat und der das luſtige, muntere Hofleben ſo durch und durch genoſſen, daß ihm eine ſtille Einſamkeit, wo ihn nichts mehr an frühere Luſtbarkeiten und Thorheiten erin⸗ nerte, wohlthuend geweſen wäre, ſo hätte er ſich vielleicht entſchloſ⸗ ſen, das Gut einmal näher zu beſehen und den Reſt ſeiner Tage in der einſamen Gegend zu verbringen. Aber ſo war der Herr und Beſitzer von Schloß Schweigern ein junger lebensluſtiger Graf, der auf ſeiner Burg an der Donau hauste, wo Tag um Tag mit luſtigen Spielen und Turniere hingebracht wurde, und dem
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