24 Schloß Schweigern. Vorbereitungen, die hie und da gemacht wurden, daß die Ruhe, welche die Bruſt ihres Herrn ausfüllte, bei ihnen nicht ſehr zu finden war. Der Eine ſchnallte ſeine Pickelhaube feſter, der Andere lüftete das Schwert etwas in der Scheide und ein Dritter ſetzte ſich im Sattel zurecht und faßte die Hellebarde. So hatten ſie die Höhe erſtiegen und ſahen vor ſich einen Hohlweg, der in's Thal hinabführte, aber fürchterlich verwahrlost war. Die Eichen und Buchen, die an ſeinen Seiten wuchſen, hatten ſich mit Wurzel und Krone gegen einander geneigt und den Hohlweg mit dichtem Ge⸗ flechte ausgefüllt, ſo daß ſich der Graf ſelbſt einen Augenblick be⸗ dachte, ob er mit ſeinem Pferde durchkommen könnte. Judeſſen machte er den Verſuch, und wie er die Zweige berührte, ſchienen ſie ſich von ſelbſt aus einander zu thun und ließen ihn und die Schaar ungehindert durch.
Stillſchweigend ritten ſie immer tiefer hinab, und den Wald, der die Thalwände bedeckte, verlaſſend, traten ſie auf friſche grüne Wieſen hinaus, die von klaren Waſſerbächen durchſchnitten waren, und ſahen vor ſich ein ſtattliches Schloß liegen. Die Furcht, allerlei ſeltſamen Schreckniſſen zu begegnen, ſowie die unheimliche Stille, die auf dem ganzen Thale ruhte, hatte die Schaar der Knappen und Reiſigen eingeſchüchtert, und keiner wagte es, den Mund zu öffnen. Doch jetzt, als ſie die ſichern Mauern einer Burg vor ſich liegen ſahen, kehrte ihnen der friſche Muth wieder und die Trompeter ſetzten ihre ſilbernen Hörner an den Mund, um beim Einreiten ein luſtiges Stücklein zu blaſen. Allein o Schrecken! ſo große Meiſter ſie auch auf ihren Inſtrumenten waren und ſo ſehr ſie ſich anſtrengten, recht ſchön zu blaſen, ſo brachte doch keiner einen Ton hervor. Sie ſetzten mit neuer Kraft an, daß ihnen die Geſichter blau aufliefen, aber vergebens! Kein Laut unterbrach die unheimliche Stille. Beſtürzt ſahen ſich Alle um und wollten in lauten Worten ihr Schrecken über dies Wunder kund geben, als die ganze Schaar ein neues Entſetzen befiel,


