Teil eines Werkes 
13. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Schloß Schweigern.

und vergnügt mit einander, da geſchah es, daß die junge Prin⸗

zeſſin krank ward und kein Arzt ihr helfen konnte, alſo daß ſie

ſtarb. Und als ſie todt da lag, fiel dem jungen Prinzen mit

Schrecken ein, was er verſprochen hatte, daß er ſich lebendig mit

ihr wolle begraben laſſen, und der alte König, aus Furcht, ſein

Tochtermann möchte das Verſprechen bereuen, ließ alle Thore mit

Wachen beſetzen, damit dieſer nicht entfliehen könnte, und ſprach,

nun müßte er halten, was er gelobt hätte. 85

Als der Tag kam, wo die Leiche in das königliche Gewöͤlbe

beigeſetzt wurde, da ward er mit hinabgeführt und alsdann das

Thor der Gruft verriegelt und verſchloſſen. Neben dem Sarg ſtand

für den lebendig Begrabenen ein Tiſch, darauf ein Licht, vier Laibe Brod und vier Flaſchen Wein, wenn das zu Ende ging, mußte er verſchmachten. Nun ſaß er da bei dem Sarg voll Schmerz und Trauer und jeden Tag nur ein Bißlein Brod, trank nur einen Schluck Wein und ſah doch, wie der Tod ihm immer näher rückte. Da geſchah es, daß er einmal aus der Ecke des Gewölbes eine Schlange hervorkriechen ſah, die ſich der Leiche näherte. Und weil er dachte, die Schlange käme, um die todte Prinzeſſin zu verletzen, zog er ſein Schwert, und hieb die Schlange in vier Stücke, indem er ausrief:ſo lange ich lebe, ſollſt du ſie nicht anrühren. Ueber eine Weile ſah er, wie eine zweite Schlange aus der Ecke herauskroch; doch als dieſe die andere todt und zer⸗ ſtückt da liegen fand, kroch ſie eilend zurück, kam aber bald wieder und hatte drei ſilberne Ringe im Munde. Alsdann nahm ſie die vier Stücke der getödteten Schlange, legte ſie zuſammen, wie ſich's gehörte und ſteckte über jede Wunde einen der Ringe. Alsbald fügte ſich das Getrennte aneinander und die Schlange regte ſich,

war lebendig und beide eilten fort. Doch da das Loch, zu welchem ſie hereingekommen waren, kaum groß genug war, um den Schlan⸗ genleib durchzulaſſen, ſo ſtreifte die eine Schlange bei dem Hin⸗