Schloß Schweigern.
ausſchlüpfen ihre drei ſilbernen Ringe ab, die auf der Erde liegen blieben.
Der Prinz, der Alles mit größtem Erſtaunen angeſehen hatte, dachte: Welch' wunderbare Kraft muß in dieſen Ringen ſtecken! Haben ſie eine Schlange wieder lebendig gemacht, ſo helfen ſie vielleicht auch einem Menſchen. Er hob die Ringe auf und legte einen davon auf den Mund der Todten und auf jedes Auge einen. Alsbald bewegte ſich das Blut in ihrem Leib und ſtieg in das bleiche Angeſicht, daß es ſich wieder röthete. Da ſchlug ſie zur größten Freude des Prinzen die Augen auf und ſprach:„Ach Gott, wo bin ich?“—„Du biſt bei mir, liebes Weib,“ antwortete die⸗ ſer, gab ihr etwas Wein und Brod, um ſie zu ſtärken und erzählte
ihr, wie Alles gekommen und wie er ſie wieder in's Leben erweckt. Da ſtand die Prinzeſſin fröhlich auf und der Prinz klopfte an die Thüre der Gruft ſo, laut, daß es die Wachen, die aufgeſtellt waren, hörten und dem alten König meldeten. Dieſer kam ſelbſt und öff⸗ nete die Thüre, da ſtanden Beide friſch und geſund, und er führte ſie hinauf und erfreute ſich mit ihnen, daß nun alle Noth überſtan⸗ den ſei. Die drei ſilbernen Ringe aber reihte der junge Prinz ſorg⸗ fältig an eine Schnur und hing ſie ſich um den Hals.
Es war aber, als ob das Herz der Prinzeſſin, die ſonſt treu und gut geweſen war, ſeitdem ihr Mann ſie durch die Schlangen⸗ ringe wieder in's Leben gerufen, ſich ganz umgekehrt und verändert habe, denn es dauerte nicht lange, ſo faßte ſie eine unerlaubte hef⸗ tige Neigung zu einem der Ritter des alten Königs, und die Bei⸗ den trachteten nur, den jungen Prinzen ums Leben zu bringen. Zu dem Zweck ritt die Prinzeſſin eines Tages mit ihrem Gemahl zum Jagen in den dichten Wald und verließ ihn da wie von un⸗ gefähr; denn dort hatte ſie Meuchelmörder verſteckt, die plötzlich über ihn herfallen und ihn umbringen ſollten. Obgleich deren viele waren, ſo gaben doch die drei ſilbernen Ringe dem jungen Prinzen eine ſolche Kraft, daß er ſie alle darniederſchlug und unverletzt ſeine


