Teil eines Werkes 
13. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Schloß Schweigern.

dem enteilenden Hirſche nach und wären ihm gern gefolgt; allein jedesmal wurden ſie von den älteren Jägern zurückgehalten und den Unwiſſenden von der Sage erzählt, die im Munde des Volks lebte und nach der das Thal verrufen und gefährlich für Jeden ſei, der es wage, die Markung zu überſchreiten.

Die älteſten Knappen und Waldmeiſter hatten daſſelbe von ihren Eltern gehört und wußten Beiſpiele anzuführen, daß Leute, die neugierig hinabgeſtiegen, nie zurückgekommen ſeien. Wohl habe man dieſelben von Zeit zu Zeit unten im Thale wandeln ſehen, auch ſeien ſie zuweilen an den Höhen hinaufgeſtiegen und in ihrer ältern Tracht oft nahe zu den Holzhauern und Jägern gekommen; allein niemals hätten ſie die Grenze des Thals überſchritten und auf keine an ſie gerichtete Frage Antwort gegeben, vielmehr wären ſie kopfſchüttelnd zurückgegangen, indem ſie ſich wie Stumme auf

den Mund deuteten.

Wenn die alten Jäger ſo bei der Ruhe, die ſie unter einem alten Eichbaum oben auf dem Berge hielten, von dem Thale drun⸗ ten erzählt hatten, führten ſie die jüngern an einen andern Theil deſſelben, wo die Waldung etwas lichter war und letztere hinab⸗ ſchauen konnten. Und da ſahen dieſe mit Verwunderung unten ein ſtattliches Schloß liegen, deſſen Aeußeres ſo wohl erhalten war, daß man glauben konnte, es ſei bis auf den heutigen Tag bewohnt. Die Fenſter deſſelben glänzten im Sonnenſtrahl, die Zugbrücken waren heruntergelaſſen, die Mauern ohne Fehl und zierlich gebaut, und ſelbſt die Windfahnen auf dem Dach ſahen nen aus, als wären ſie eben erſt dahin geſetzt.

Aber über dieſen Gebäuden und dem weitläufigen Parke, der

ſie umgab, lag eine unheimliche Stille; das Waſſer in den Seein

ſchien gemalt und war unbeweglich; die Blätter der Bäume rauſch⸗ ten nicht, und keiner der Vögel, die um Schloß und Wald flogen, ließ ſeine Stimme erſchallen.

Und ſo war es aber auch in dem ganzen Thale. Da gab das