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Schloß Schweigern.
blühende Dörfer, ſondern ſie waren bedeckt mit Schilfgras und Weidengeſtrüpp, durch das ſich nur hie und da ein kleiner Pfad wand, der Wechſelgang der Hirſche, wo dieſe zu Waſſer gingen. Etwas abſeits von dem Fluſſe, ungefähr eine Stunde weit in’s Land hinein, iſt ein ſchönes Thal, rings von Bergen eingefaßt und beſchützt, eine Wohnung der ſüßen traulichen Einſamkeit, ein Thal, ruhig und ſtill, das klein genug war, um den vorüberziehen⸗ den Wanderern verborgen zu bleiben, und groß genug, um den Blicken ſeiner Bewohner die Abwechslung des dichten friſchen Wal⸗ des mit grünen, ſaftigen Wieſen und klarem Waſſer, das von den Bergen niederſtrömte, zu gewähren. 1 Von den umliegenden Bergen, die aus dem Thale ſauft auf⸗ wärts ſtiegen, ſah man weit hinaus in die Landſchaft, ſah den Neckar, wie er ſich in tauſend Krümmungen hindurchwand und endlich zwiſchen fernen Bergen verlor, hinter denen wieder höhere emporſtiegen. Und wenn man das Alles geſehen und ſich lange umgeſchaut in der reizenden Gegend, die rings herum wie ein ſchönes Gemälde aufgerollt war, ſo ſtieg man gern wieder hinab in das Thal, denn ſo ſchön, wie dieſes, war doch keines der um⸗
liegenden. Selbſt die Thiere des Waldes fanden es hier am heim⸗
lichſten, und wenn zahlreiche Rudel von Hirſchen und Rehen auch gerne unter den hochſtämmigen Eichen der umliegenden Berge her⸗ umſprangen, ſo war doch im Thal ſelbſt ihr Aufenthalt und ſie kehrten am Abend in luſtigen Sprüngen dahin zurück.
Aber trotz der Schönheit, mit der die Natur dies Thal ge⸗ ſchmückt hatte, war es von keinem Menſchen bewohnt und wurde vielmehr von Allen, die in dieſe Gegend kamen, gemieden. Die Jäger und Edelknappen der umliegenden Schlöſſer, wenn ſie bei
der Verfolgung eines Wildes in ſeine Nähe kamen, und im Eifer
der Jagdluſt eine der Höhen beſtiegen hatten, von wo es hinab⸗
ging, ließen dem Wild ſeinen freien Lauf und verfolgten es nicht weiter. Wohl ſchauten die jüngſten und unerfahrenſten mit Begier


