Schloß Schweigern.
In der alten Zeit, aus der ſich die meiſten unſerer ſchönen Sagen und Märchen herſchreiben, prangten die herrlichen Gefilde am Neckar noch nicht, wie jetzt, im Schmuck der Getraide⸗ und Obſtfelder; die Höhen bedeckte damals noch dichter, finſterer Wald, aus dem nur hie und da ein Lug in'’s Land, auch Langerhans ge⸗ nannt, wie man ſie heute noch erblickt, emporragte. Doch dieſe alten Gemäuer, deren Thurm und Fenſter jetzt mit wehendem Epheu bedeckt ſind, und an deren Fuß das dichte Unkraut empor⸗ wuchert, faßten damals ein ganz anderes Leben in ſich. Da hörte man nicht den fröhlichen Geſang der Weingärtner oder das Ge⸗ knarr eines Wagens, der hinaus in's Feld fuhr, um die goldenen Früchte aufzuladen, ſondern der Knappe, der mit eherner Pickel⸗ haube und gewaltigem Spieß dort oben hinter der Bruſtwehr ſtand und in die Gegend hinausſah, vernahm nur zuweilen das Röhren eines Hirſches, den Schall eines Hüfthorns oder den Schlag der Axt, die einen mächtigen Eichbaum niederwarf. Der Neckar, der ſchöne klare Fluß, ſtrömte, wie auch noch jetzt, zwiſchen den Bergen dahin; doch ſahen ſeine Ufer keine reichen Städte oder


