252 Sechszigſtes Kapitel.
Zweifel ſein, was ſich Wichtiges und Angenehmes in dem Schloſſe nach der Abreiſe des Herrn von Steinbeck und des Juſtizrathes begeben, und er wird uns gewiß verzeihen, wenn wir ihm in die⸗ ſem Schlußkapitel nicht mit allen Einzelheiten erzählen von dem Wiederſehen verſchiedener Liebender.
Ein ſolches Wiederſehen nach Hinwegräumung ſo vieler Hin⸗ derniſſe iſt etwas Köſtliches; und das erfuhren auch Eugen und Katharina, Roſalie und der junge Bildhauer, um ſo mehr, als ihnen eine liebende gute Mutter zur Seite ſtand, welche zu dieſer Vereinigung ihren Segen gab und ſie ſo dauernd machte.
Die alte Dame konnte ſich nicht entſchließen, ihre Kinder zu verlaſſen, und blieb mit ihnen zuſammen auf Schloßfelden. Sie tröſtete und beſchützte alle Armen und Traurigen, welche ſich an ſie wandten, und die Worte des Dankes und der Freude, die ſie auf
dieſe Art täglich und ſtündlich vernahm, verjagten die finſteren Schatten, die das Andenken au frühere Tage in ihr Leben ge⸗+ worfen. 3 8 Aus dem Hauſe in der Reſidenz wurden Martha und Martin 2 hieher beordert, und Erſtere fühlte ſich darüber recht glücklich; denn wenn ſie auch keinen Neid kannte, ſo gab es ihr doch jedes Mal einen Stich in's Herz, wenn ſie auf der Straße der verhei⸗ 3 4 ratheten Nanette begegnete, Der alte Jakob war ſchon mit ſeiner Herrin hieher gekommen und befreundete ſich bald mit dem Ver⸗ 22 5 walter. 8 Ueberhaupt hatte ſich hier im Schloſſe das Hauptquartier der
Dienerſchaft ſtark vermehrt; glücklicher Weiſe war die Küche be⸗ deutend größer als die im Stillfried'ſchen Hauſe, und ſo war es denn für Martha möglich, neben ihren größernen Geſchäften hiey doch noch zahlreiche Audienzen zu ertheilen und ihre Getreuen um. ſich zu verſammeln. 8
Durch die glücklichen Veränderungen, welche mit Herrn Engen
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