Eine ſeltſame Abendunterhaltung. 251
Schauer den Körper des Juſtizrathes. Seine Wangen entfärbten ſich; ſeine Augen blickten ſtarr darauf hin. Ja, er wich vor Eugen zurück, der ihm näher trat, zurück in die Ecke des Gemaches, bis gegen die Fenſterniſche. Doch fuhr er da mit einem Schrei der 2 Angſt, ja der Verzweiflung zurück. Der herbſtliche Wind, der um das Schloß jagte, drückte mit voller Kraft einen der ſchweren Fenſterflügel auf und wehte in das Zimmer hinein, die Kerzen auf dem Kamin auslöſchend und die ſchweren Fenſtervorhänge aufhebend, daß ſie empor wallten und rauſchend wieder niederfielen.— Dabei ſchienen den Juſtizrath ſchreckliche Erinnerungen zu über⸗ wältigen; denn einen Augenblick ſchaute er ſich entſetzt um nach dem geöffneten Fenſter, als erblicke er dort etwas Fürchterliches. Dann aber raffte er ſich gewaltſam empor und ſtürzte nach der Thüre, durch die er verſchwand.
Eugen ſah ihm tief erſchüttert nach; dann trat er an das Fenſter und blickte in den Hof hinab, wo auf ſeinen Befehl eine beſpannte Kaleſche mit brennenden Laternen hielt.
Wenige Minuten nachher ſchien der Poſtillon, der auf dem Bocke ſaß, einen Befehl erhalten zu haben; denn er hieb in die Pferde, und der Wagen rollte raſſelnd zum Schloßthor in die fin⸗ ſtere Nacht hinaus.
Der junge Mann blickte wie dankend gegen den Himmel, und 1 ie edelſten und ſchönſten Gefühle zogen durch ſein Herz. Er ging 5 an den Kamin, warf das Paketchen in die Flammen, und nachdem 4
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er ruhig zugeſchaut, wie das ſchwarze Siegellack abtropfte, wie die rothen Bänder aufſprangen und wie die Gluth ein Papier um das 1 andere verzehrte, bis nichts mehr übrig blieb als die Aſche, ſchritt er langſam zur Thüre hinaus, und darauf ward es ſehr ſtill und einſam in dieſem Gemache, dem dunkelſten und unheimlichſten des 5. Schloſſes.—— 4 Der geneigte Leſer wird nicht einen Augenblick darüber im


