246 Sechszigſtes Kapitel.
Der junge Mann hatte ſich durch dieſes unbedachtſame Wort, das er ſo leichtſinnig hinaus ſtieß, während die Anderen in ſtar⸗ rem Entſetzen da ſtanden, unbewußt in große Gefahr begeben.
Der Juſtizrath überlegte eine Sekunde, ob er ihn mit der geballten Fauſt niederſchlagen ſolle.
Der Jäger blickte verwundert und entrüſtet in die Höhe, und aus den Augen des alten Verwalters fuhr ein Blick voll Grimm und Wuth. 3
Nur einen Augenblick tobte dieſes Gefühl der Rache im Herzen des Juſtizrathes. Dann ſchien ihn ſeine Kraft völlig verlaſſen zu wollen; er fuhr mit der Hand über die Stirn, ließ ſie dann lang⸗ ſam herabſinken und verbarg ſie, krampfhaft zuſammengepreßt, an ſeiner Bruſt; ſeine Knie wankten— er bedurfte faſt übermenſch⸗ licher Anſtrengung, um ſich aufrecht zu erhalten.
Wieder hörte man Schritte im Gange.
„Dort bringen ſie Einen, den ſie erwiſcht,“ ſagte der Jäger und machte an der Thüre Platz.
Es waren zwei Männer vom Dorfe, die daher kamen und zwiſchen ihnen ging ein Menſch mit zögernden Schritten und ge⸗ ſenktem Haupte.—
Die Beiden kamen vor die Thüre und ſchoben alsdann ihren Gefangenen in das Zimmer hinein. Dieſer zeigte ſich nun auf dieſe Art plötzlich in dem helleren Lichte des Gemaches.
Der Iuſtizrath war ihm entgegen geſtürzt, prallte aber wie vor etwas Entſetzlichem, wie vor einem Geſpenſte zurück, als er in Joſeph's ihm nur zu bekanntes Geſicht blickte.
Hatte all' das Fürchterliche, was ihn heute Abend Schlag auf Schlag getroffen, vernichtend und wieder belebend auf ihn gewirkt, oder war es, daß beim Anblick dieſes Dieners die Gedanken des Juſtizrathes plötzlich eine andere Richtung nahmen, genug, nach dem erſten Augenblicke, der ihm einen Schrei tiefer Wuth erpreßte, richtete er ſich empor und hatte die Kraft, mit ruhiger Stimme zu


