242. Sechszigſtes Kapitel.
dieſes Zimmer anbelangt, und ich begreife auch nicht, warum der Verwalter dieſen Salon gewählt. Sie werden ſich aber morgen überzeugen, es ſind hier ſehr behagliche, freundliche Wohnungen.“
„Unſere Zimmer zum Beiſpiel,“ fiel ihm der Major eifrig ins Wort,„die ſind comfortabel, ja glänzend.“
„Und— Fräulein Stillfried,“ fragte der junge Mann den Juſtizrath, ohne ihn dabei anzuſehen,„wird vielleicht bald erſchei⸗ nen? Vielleicht hier? Oder werden wir der jungen Dame in ihrer Wohnung unſere Aufwartung machen dürfen?“
„Wie ungeduldig!“ rief der Major aus.„Ja, dieſe jungen Leute!“ Dabei wollte er lachen, aber er brachte es nur zu einem komiſchen Grinſen..
Draußen auf dem Gange hörte man Schritte, die ſich eilig näherten.
Der Verwalter erſchien auf der Schwelle, blaß, verſtört. Er ſchien haſtig ins Zimmer eintreten zu wollen; doch als er die frem⸗ den Herrſchaften ſah, blieb er beſtürzt an der Thüre ſtehen.
„Ah!“ ſtieß er hervor und fuhr ſich mit der Hand über die Augen. 3
Der Juſtizrath blieb eine Sekunde wie feſtgebannt vor ihm ſtehen. Dann aber ſagte er in ſehr ſtrengem Tone und wie ver⸗ geſſend, daß er nicht allein ſei:„vier Mal habe ich vergeblich nach Ihnen geſchickt; ich begreife dieſes Betragen nicht. Warum laſſen Sie ſich gerade heute an Ihre Pflicht erinnern?“ 3
„Das ſind ſchreckliche Dinge, die mich ſie vergeſſen ließen,“ antwortete der alte Mann mit zitternder Stimme.„Fräulein Ro⸗ ſalie—“ 4
„Was iſt geſchehen?“ rief der Juſtizrath, ſich vergeſſend. Doch
erſt, als die Anderen vom Kamin herbeieilten und dieſe Frage
wiederholten, und als Herr von Steinbeck mit ſcharfem Tone hin⸗ zuſetzte:„was iſt mit Fräulein Stillfried?“ raffte ſich Herr Werner zuſammen und wandte ſich lächelnd mit den Worten um:„o, ge⸗


