Eine ſeltſame Abendunterhaltung. 241
ſo altehrwürdig es ausſieht, paßt eher zu einem ernſten Geſchäft, als zum luſtigen, heiteren Feſt einer Verlobung.“
„Ja— a— a,“ erwiderte der junge Mann, indem er abermals umherblickte.„Es ſieht gerade wie zum Teſtamentmachen aus.“
In dieſem Augenblicke trat der Juſtizrath wieder in das Zim⸗ mer, und man hörte noch, wie er unter der Thüre einem Bedien⸗ ten nachrief:„ich finde das unbegreiflich— er ſoll augenblicklich hierher kommen!“
Der Major warf ſeiner Gemaßlit einen einigermaßen beküm⸗ merten Blick zu.
„Tauſendmal bitte ich Sie um Entſchuldigung!“ ſprach der Juſtizrath hinzutretend mit einer ſichtlich erzwungenen Freund⸗ lichkeit.„Das Gebäude hier iſt ſo weitläufig; die Zimmer liegen ſo weit von einander; die Staatsräthin muß von der Reiſe et⸗ was angegriffen ſein. Aber ich hoffe, ſie wird im Augenblick er⸗ ſcheinen.“
„Sie wird bei ihrer Tochter ſein; ich finde das ſehr begreif⸗ lich,“ ſagte die Majorin.„Ein Wiederſehen nach ſo langer Zeit! Das verſteht Ihr nicht, meine Herreu.“
„Wenn ich morgen früh die Ehre habe, Ihnen das Schloß zu zeigen,“ fuhr der Juſtizrath mit einem anſcheinend ſehr ruhigen Tone fort(doch verwandte er kein Auge von der Thüre),„ſo werden Sie erſtaunen, wie groß, aber vortrefflich erhalten es iſt.“
„Aber— die Zimmer ſcheinen ſehr dunkel, 4 Aitwortete Herr
von Steinbeck,„nicht recht wohnlich.“
Der Juſtizrath ſah ihn fragend an.
„Wenigſtens dieſes hier. Liegt an dem dunkeln Täfelwerk oder an der Höhe dieſes Gemachs die Schuld— k 10 weiß nicht, es iſt ein Bischen froſtig.“
Der Major räuſperte ſich ſehr laut.
„Sie haben nicht Unrecht,“ untwortete der Juſtizrath,„was Hackländers Werke. XII. 4 16. 8


