Teil eines Werkes 
12. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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240 Sechszigſtes Kapitel.

aber nicht freundlich und angenehm. Dabei ſah er ſich wie ängſt⸗ lich in dem Gemache um.Unter uns geſagt, das Schloß ſcheint mir ſo ein finſteres, altes Gebäude, und als wir vorhin über die breiten Gräben und die Zugbrücke fuhren, durch das dunkle Thor hinein, da kam es mir gerade vor, als würde ich ins Gefängniß gebracht.

Ja, mein Lieber, ſagte der Major mit einem foreirt luſti⸗ gen Tone,die Ehe iſt immer eine Art Gefängniß. 3

Pfui! machte Roſa Immergrün mit tiefer Entrüſtung.

Nein, Scherz bei Seite! antwortete der junge Mann, indem er eine entſchloſſene Haltung anzunehmen verſuchte.Mir thut es wahrhaftig leid, daß ich nachgegeben habe und hieher gegangen bin. Ich weiß nicht, aber ich komme mir wie ein Opfer vor, das man zu einer Schlachtbank führt.

Die Majorin lachte laut hinaus.

Ja, lachen Sie nur, gnädige Frau, es iſt doch wahr. Wir ſind ja unter uns und können darüber ſprechen. Zu ſehr unter uns! Warum läßt man uns. hier allein? Das hätte eigentlich ſchon ein anderer Empfang ſein müſſen; da mögen Sie ſagen, was Sie wollen, es iſt traurig und troſtlos. Mir kommt es vor, als ſei hier nicht Alles in Ordnung. 5.

Oh oh! entgegnete der Major.Wer wird immer Ge⸗ ſpenſter ſehen, lieber junger Freund?

Danken Sie Gott, fuhr Herr von Steinbeck fort,wenn Ihnen nicht auch heute Nacht dergleichen begegnet. Das kann ich Sie verſichern, beſter Major: ich habe mich zu dieſer Heirath enga⸗ girt, das iſt wahr; aber meine Augen behalte ich offen, und wo mir etwas nicht ganz in der Ordnung erſcheint, da werde ich ſprechen. Sie können ſich darauf verlaſſen.

Herr von Steinbeck iſt ein leicht erregbares Gemüth, ſagte Roſa Immergrün.Er läßt ſich gerne durch äußere Eindrücke re⸗ gieren; und darin muß ich ihm ſchon Recht geben: dieſes Gemach,

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