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Eine ſeltſame Abendunterhaltung. 239
Sie würden es hier nicht aushalten, und ich bin wenigſtens davon überzeugt, daß Sie es nicht über ſich gewinnen werden, die Eröff⸗ nung und den Schluß der großen Aſſiſen zu verſäumen.“
„Das iſt freilich für mich ſehr intereſſant,“ antwortete der junge Mann.„Nun, dann läßt man eben einſpannen und fährt hinüber. Das iſt bald geſchehen.“
Der Juſtizrath, der nicht auf dieſes Geſpräch zu hören ſchien, blickte jeden Augenblick nach der Thüre.
Der alte Verwalter erſchien immer nicht.
Endlich ging er ſelbſt hinaus, um wenigſtens nach dem Be⸗ dienten zu ſehen, der ebenfalls noch nicht zurückgekommen.
„Fräulein von Stillfried wird bei der Toilette ſein,“ ſagte die Majorin nach einer längeren Pauſe.„Ich freue mich recht ſehr, das liebe Kind kennen zu lernen. Sie iſt ſchön?“ Bei die⸗ ſen Worten ſah ſie ihren Gemahl fragend an.
„Ja, ſie ſoll ein hübſches, wohlerzogenes Mädchen ſein,“ ent⸗ gegnete der Freiherr von Brander, indem er ſeinen Degen etwas nach hinten ſchob.
„Ich könnte Sie darüber fragen, Herr von Steinbeck,“ fuhr die Majorin fort;„aber ein Bräutigam hat kein richtiges
. Urtheil.“
wLin Verliebter, wollten Sie ſagen,“ verſetzte der junge
Mann lachend und glaubte, etwas ſehr Geſcheidtes geſagt zu haben.
Der Major ſah ſeine Frau bedeutſam an und huſtete leicht.
„Von der Mutter finde ich es eine hochpoetiſche Idee,“ ſagte hierauf Roſa Immergrün,„Verlobung und Hochzeit auf dieſem
eiinnſamen Schloſſe hier feiern zu laſſen.“
—„Ja— a— a,“ meinte trocken Herr von Steinbeck. 4 SLSo abgeſchieden von der Welt, nur ſich ſelbſt lebend, es iſt das ein glücklicher Gedanke.“
„Poetiſch vielleicht,“ erwiderte der junge Mann,„auch ſeierlich;
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