Zuſammenführung der handelnden Perſonen. 237
mahlin eintrat. Dieſer konnte ſich nicht günſtig genug ausſprechen
über die wohnliche, ja faſt prächtige Einrichtung des Schloſſes,
über die angenehmen Zimmer, die man ihm angewieſen. „Und wie iſt die Lage ſo reizend!“ ſagte die Majorin.„Ich
freue mich unſäglich auf morgen früh. Das Erwachen ſo hoch
über der Sphäre der ganzen anderen Menſchheit, der Blick von hier in die erwachende Natur muß göttlich ſein! Vorhin blickte ich zu meinem Fenſter hinaus; vor demſelben zwiſchen dichten Bäumen liegt eine kleine Kapelle, die von dem aufſteigenden Monde mit einem Streiflicht verſilbert ward. Ich verſichere Sie, ein himmliſch ſchöner Anblick!“
„Es iſt die Schloßkapelle,“ antwortete kurz der Juſtizrath, in⸗ dem er der Schriftſtellerin einen Seſſel anbot.
„Im Sommer muß es hier auf Ehre göttlich ſein!“ ſprach der Major, der ſich in Uniform geworfen hatte und, vor dem Kamine ſtehend, mit Vergnügen ſah wie die Flammen des Feuers ſich an ſeinen Knöpfen, ſeinen Epaulettes und ſeinen kleinen Orden wiederſpiegelte. 3 3
„Wenn man das ruhig genießen kann, allerdings;“ ſagte ſeufzend Roſa Immergrün.„So ein kleines, hehagliches Stillleben hier wäre meine höchſte Seligkeit.“
„Herr von Steinbeck,“ antwortete der Juſtizrath mit einem erzwungenen Lächeln,„wird gewiß ein gaſtliches Haus machen
und erfreut ſein, ſo angenehme Geſellſchaft bei ſich zu ſehen.“ Da⸗
bei verbeugte er ſich gegen die Majorin.
„Glauben Sie in der That, daß der junge Mann hier blei⸗ ben wird?“ fragte der Major. 5
„Und warum nicht!“ entgegnete raſch der Iuſtizrath.„Fräu⸗
lein Stillfried liebt das Landleben.“.
„Aber der Zukünftige,“ fuhr der Major lachend fort,„findet
hier keines ſeiner gewöhnlichen Amuſements. Da gibts keine
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