236 Neunundfünfzigſtes Kapitel.
lungsort für die Geſellſchaft beſtimmt. Dieſer Salon, im alten, gediegenen Geſchmack, war durch die vielen dunklen Holzſchnitzereien, mit denen der Plafond und ein Theil der Wände bedeckt waren, am Tage etwas dunkel; ja ſogar Abends bei dem Lichte zahlreicher Kerzen und Lampen wichen die finſteren Schatten kaum aus den Ecken dieſes Gemachs und ſetzten ſich aufs Hartnäckigſte feſt in den tiefen Fenſterniſchen, vor denen violettſammtne Vorhänge herab⸗ hingen. Trotzdem aber war dieſes Zimmer nicht unfreundlich zu nennen, und namentlich, wenn wie jetzt in dem weiten, mannshohen Kamine große Scheiter Holz luſtig brannten, gab es um dieſes Feuer herum in den großen Lehnſeſſeln ſo angenehme Plätze, als man ſich nur wünſchen konnte.
Der Juſtizrath Werner hatte ſich nicht lange in ſeinem Zimmer aufgehalten; er hatte nur ſeinen Mantel abgeworfen und war nach dem Salon geeilt, wo er nun, mit ſeinen Gedanken beſchäftigt, bald auf und ab ſchritt, bald einen Augenblick in die durch einan⸗ der ſpielenden Flammen des Kamins blickte, bald auch an eines der Fenſter trat und in die Gegend hinausſchaute.
Die weite Landſchaft lag noch ziemlich dunkel; nur ein Theil der gegenüberliegenden Berge und des Thales wurde von dem eben aufſteigenden Monde beleuchtet. Ein herbſtlicher Wind hatte ſich aufgemacht, der namentlich hier auf der Höhe fühlbar durch die Zweige der Bäume ſauste und zuweilen heulend um die ſcharfen Ecken des Schloſſes herumfloh. 4
Wenn der Juſtizrath einen Augenblick durch das Zimmer geſchritten war, ſo blickte er aufmerkſam nach der Thüre: er er⸗
wartete den alten Verwalter, nach dem er ſchon mehrere Male ver⸗
geblich geſchickt.
Dieſer hatte die Gäſte an der Thüre bewillkommt, dann war
er verſchwunden.
Jetzt näherten ſich Schritte dem Salon; die Thüre wurde
geöffnet. Es war der Major von Brander, der mit ſeiner Ge⸗


