Teil eines Werkes 
12. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Zuſammenführung der handelnden Perſonen. 235

ſchöner als je, von der Güte und Liebe der eigenen Mutter reich geſchmückt, wie eine Fürſtin.

Fieberhaft klopften ihm alle Pulſe, und Herr Sidel, neben ihm ſtand, mußte ihn gewaltſam zurückhalten; er war im Begriff, an den Wagen zu ſtürzen und laut hinaus zu rufen: Hier bin ich, Katharine, mein angebetetes Mädchen, meine ge⸗ liebte Braut!

Da zogen die Pferde an, und der Wagen, mit Fackeln um⸗ geben, verſchwand zwiſchen den Häuſern und bewegte ſich in dem rothen, zitternden Schein unter den Bäumen hinweg langſam den Berg hinan.

Sobald der Wagen verſchwunden war, eilte Eugen zur Hinter⸗ thüre des Gaſthofes hinaus, ein Diener des Schloſſes führte ihm ein Pferd vor, auf das er ſich warf und das er eilig zum Hofthore hinaus lenkte.

Eben fuhr der dritte Wagen vor dem Hauſe an; zwei Herren ſaßen in demſelben, ein älterer und ein jüngerer; das Verdeck dieſes Wagens war zurückgeſchlagen.

Eugen warf einen finſteren Blick rückwärts, einen Blick des Haſſes; doch fuhr gleich darauf ein leichtes Lächeln über ſeine Züge. Er wandte ſein Pferd gegen den Berg und ſprengte im Galopp dem zweiten Wagen nach.

Es war gegen das Ende des Monats Oktober, und wenn

auch die Tage klar, freundlich und angenehm waren, die Nachmit⸗

tage heiter und warm, ſo wurde es doch gegen Abend froſtig; die Nebel ſtiegen feucht und kühl auf, und die Sterne, die an dem dunkeln Nachthimmel funkelten, konnte man alsdann nur mit Be⸗

haglichkeit aus einem wohlgewärmten Zimmer anſchauen.

Der Verwalter droben im Schloſſe hatte die nöthigen Zimmer zum Empfang der Gäſte der Jahreszeit gemäß aufs Wohnlichſte einrichten laſſen; alle waren leicht durchwärmt, und einen großen

Salon, in dem mittleren Flügel gelegen, hatte man zum Verſamm⸗