234 Neunundfünfzigſtes Kapitel.
fährlich, wie mir ſcheint. Aber wir haben Fackelbeleuchtung— dort kommen ſie ſchon.“
„Ah, Fackeln!“ ſagte Roſa Immergrün mit zarter Stimme. Der rothe Schein derſelben erſchien ihr in der finſteren Nacht außer⸗ ordentlich poetiſch.
Der Major ſtieg wieder ein, und der Wagen rollte den Berg hinan.
Sämmtliche Bewohner der wilden Roſe, Hausleute und Fremde, hatten ſich an den Fenſtern und Thüren eingefunden, und ſo war es Eugen möglich, verborgen da zu ſtehen und auf den zweiten Wagen zu warten. Und er that das mit hochklopfen⸗ dem Herzen.
Endlich ſah man zuerſt an der Bergwand zur Seite Laternen blitzen, deren Schein ſich langſam ins Thal hinab bewegte. Jetzt erſchienen ſie auch am Ende der Straße, dann raſſelte der Wagen auf dem Pflaſter, und jetzt hielten die vier Pferde dampfend vor dem Wirthshauſe. 3 1..
Es war das Coupé der Staatsräthin.
Die Leute des Wirthshauſes, Bewohner aus dem Dorfe, die Fackelträger vom Schloſſe drängten ſich neugierig um den Wagen, um die neue Herrin des Schloſſes zu ſehen.
Die Staatsräthin hatte ſich in die Kiſſen zurückgelehnt; Katha⸗ rina dagegen blickte mit ihren großen, glänzenden Augen freundlich überraſcht auf das ſeltſame Getreibe.
Noch in ſpäteren Jahren geſtand Eugen gern, dieſes ſei einer der glücklichſten Augenblicke ſeines ganzen Lebens geweſen. Wie hatte er das geliebte Mädchen verlaſſen! In ihrem kleinen Zimmer,
in ihrem einfachen Anzuge, in einem Augenblicke, wo ſie gewaltſam
von einander geriſſen wurden, und wo es eines Wunders bedurfte, um die entſetzliche Kluft zu überbrücken, die ſich, mit Blut gefüllt, vor ihren Augen aufthat! Und jetzt war dieſes Wunder geſchehen,
jetzt ſah er ſte wieder, in den weichen Kiſſen eines eleganten Wagens,
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