Teil eines Werkes 
12. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Glaube, Liebe, Hoffnung. 25

Erzählung mit einem traurigen Theil der Geſchichte ihres Lebens bekannt geworden war. Es ſchauderte ihn, wenn er an jene Be⸗ gebenheit dachte, wenn er in das ehrliche, offene Auge des armen Mädchens ſah und wenn er ſich nun ſagen mußte: ſie weiß viel⸗ leicht nicht einmal, daß die Hand, welche die ihrige zärtlich ge⸗ drückt, und welche mit hoher Meiſterſchaft ihr Ebenbild hervor⸗ gebracht, jetzt fern von hier in kalter Erde ruht, und ſie ahnet nicht, daß das Auge, welches ſie ſo liebevoll angeblickt, für ewig verſchloſſen iſt.

Eugen, welcher bemerkte, daß der luſtige Rath jetzt erſt die Marmorgruppe aufmerkſam betrachtete und ſeine Vergleichung an⸗ zuſtellen begann, erſchrak bei dem Gedanken, Herr Sidel in ſeiner Wißbegierde könnte das Geſpräch auf jenen Bildhauer bringen und am Ende mit dem, was er damals über den jungen Freiwilligen erfahren, vor den beiden jungen Mädchen herausrücken. Um dem vorzubeugen, wandte er ſich an Roſalie, indem er um Entſchul⸗ digung bat, daß er und ſein Freund hier ſo ohne Erlaubniß in das Heiligthum eingedrungen ſeien.

Es bedarf das keiner Entſchuldigung, entgegnete die Tochter des Verwalters freundlich mit einer Verneigung des Kopfes.Alle Fremden, die durch Schloßfelden kommen und die einigermaßen Zeit haben, kommen auf das Schloß, um daſſelbe zu ſehen, ſowie die Gärten und die kleine Kapelle mit den Marmorfiguren darin, ſetzte ſie mit leiſerer Stimme hinzu.

Aber der Ton dieſer Stimme drang Engen zu Herzen; ja er erſchütterte ihn aufs Tiefſte. Es lag für ihn ſo etwas unaus⸗ ſprechlich Angenehmes in dem Klange derſelben, eine Erinnerung an frühere Tage, an ſeine Jugendzeit; er wußte ſelbſt nicht ge⸗ nau, an was, aber er konnte ſich nicht enthalten, dem Mädchen innig und herzlich in die Augen zu blicken; und dieſer Blick war ſo feſt und anhaltend, daß ſie darüber ihre Augen niederſchlug.

Sie ſind erſt geſtern Abend gekommen? ſagte Roſalie nach