Teil eines Werkes 
12. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Erſtaunens nichts Anderes thun, als achſelzuckend nach oben zu

zeigen, wo der(uſtige Rath, verſunken in die Töne, die unter ſeinen Fingern hervorquollen, mit Füßen und Händen das Orgel⸗ werk bearbeitete.

Die Mädchen baten, ebenfalls durch Pantomimen, den Spie⸗ ler droben nicht zu ſtören, und ließen ſich vor Eugen auf einer Bank nieder, geduldig erwartend, bis Herr Sidel mit ſeinem Choral, den er ins Unendliche variirte, fertig ſein würde. Endlich kehrte er aus dem bunten Gewebe der ſich tauſendfach kreuzenden Töne zur einfachen Melodie zurück, und am Schluſſe derſelben hielt er einen tiefen Ton noch unbeſchreiblich lange an; dann ſchwieg die Orgel, und er ſtolperte die Treppe herab.

Unten angekommen, war er nicht wenig erſtaunt, Eugen in der Geſellſchaft dieſer jungen und ſchönen Mädchen zu finden; doch war dieſes Erſtaunen nicht ſo überſchwänglicher Art, nicht ſo un⸗ gläubig an das körperliche Daſein der beiden Geſtalten, wie es vorhin bei Eugen der Fall geweſen war. Nein, er als praktiſcher Mann nahm die Sache gleich, wie ſie war, begrüßte in der Einen die Wirthshaustochter von der wilden Roſe, in der Anderen dem lieblichen Geſicht mit blondem Haar, nach dem dort jener Genius der Liebe gebildet war wie eine gute Bekannte; denn er erinnerte ſich klar und deutlich der Erzählung jenes würdigen Präſidenten und wußte daraus genau, daß er hier die Tochter

des Verwalters wahrſcheinlich jenes alten Mannes mit weißem

Haar vor ſich habe. Er ſprach darauf von dem prächtigen

Wege auf das Schloß, von der reizend gelegenen Kapelle und von

der Aehnlichkeit der beiden Marmorbilder mit den Originalen, die hier vor ihm ſtänden.

Eugen dagegen war nicht im Stande, ſich ſo ſchnell und gut in die Wirklichkeit zu finden. Wenn ihm auch die kleine Marie mit ihrem luſtigen, neckiſchen Weſen durchaus nicht geſpenſterhaft vorkam, ſo konnte er ſich dagegen nicht enthalten, ſo oft er die

Glaube, Liebe, Hoffnung. 23