Teil eines Werkes 
12. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Zweiundvierzigſtes Kapitel.

len jetzt gewaltig an und ſangen von glücklichen, frohen Tagen, wenn die Nacht der Prüfung vorbei ſei, und wurden immer lauter und lebhafter, und jubilirten und ſchmetterten endlich fröhlich durch einander.

Eungen lag eine lange Zeit, das Geſicht auf ſeine Hände ge⸗ drückt, und er fühlte, wie die letzteren feucht von ſeinen Thränen wurden; aber unendlich wohlthuend und beruhigend drangen die Orgeltöne in ſein Herz, und es begann ruhiger zu ſchlagen, und folgte der Liebe, indem es dabei glaubte und hoffte. Langſam richtete er ſich wieder empor, und wie er nun zufällig neben ſich blickte, wo an der Seite des Chores eine andere kleine Thüre ins Freie führte, fuhr er entſetzt und erſtaunt in die Höhe, faßte an ſeine Stirn und glanbte zu träumen. Waren die beiden Mar⸗ morfiguren, die Liebe und die Hoffnung, von ihrem Geſtelle herab⸗ geſtiegen, oder hatten ſich zwei überirdiſche Weſen dieſer Hüllen bedient und ſich dem erſtaunten Blicke des jungen Mannes vor⸗ geſtellt?

Er ſah neben ſich zwei Mädchengeſtalten ſtehen, die verkör⸗ perten Gegenbilder der beiden Steinfiguren der Liebe und Hoffnung. Beide ſtanden, von dem Glanze des Sonnenlichtes roſig gefärbt, wie in überirdiſchem Scheine da. Die Liebe blickte ihn ernſt, faſt verwundert an, während die Hoffnung ſchelmiſch lächelte. 3

Eugen fuhr von ſeinem Sitz in die Höhe und trat nun auf die beiden Mädchen zu; doch als er ſah, daß ſie vor ſeinen weit aufgeriſſenen Augen erſchrocken zurück traten, blieb er ſtehen und verneigte ſich lächelnd vor ihnen. Es war ihm unmöglich, in die⸗ ſem Augenblicke zu Worte zu kommen; denn einestheils lähmte ihm die Ueberraſchung die Zunge, und anderntheils brauste da oben der Herr Sidel ſo gewaltig und kräftig durchs Regiſter, daß es nicht möglich war, ſich mit einer Sylbe verſtändlich zu machen.

Er konnte denn auch nach einem Augenblicke gegenſeitigen