Teil eines Werkes 
12. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Glaube, Liebe, Hoffnung.

und rührend umſtanden aber hier in dieſem Bilde Liebe und Hoffnung dieſen Glauben! wie war auch der Ausdruck ſo unendlich mild und ſchön, mit welchem die Liebe empor blickte! Ja, dieſes Geſicht aufzufinden und ſo darzuſtellen, wie es hier geſchehen, da⸗ rin hatte der Künſtler ſeine ganze Meiſterſchaft bewährt. Die Züge, obgleich für Eugen völlig fremd, hatten doch etwas unſäglich Be⸗ kanntes für ihn. Noch nie hatte ihn etwas ſo angeſprochen, wie dieſes Geſicht; ihm hätte er unbedingt vertrauen können, ihm hätte er ſein volles Herz ausſchütten mögen, wie noch vordem keinem menſchlichen Weſen. Und das that er auch. Während er ſo in dem kleinen Betſtuhle mit gefalteten Händen ſaß, da klagte er ihr der Liebe ohne Worte auszuſprechen, von ſeiner freudeloſen Jugend und allem dem, was ihn vom Vaterhauſe vertrieben, von ſeinem unglückſeligen Verhältniß mit ſeiner Mutter; und dann ſagte er ihr ferner, wie er ſo Niemanden auf der ganzen weiten Welt habe, als jenes Mädchen, das er liebe, und fragte zugleich, ob er ſie lieben dürfe, ob er gegen den Willen ſeiner Mutter jenes Herz das ſeinige zu nennen berechtigt ſei, ob die Mutter ihn der⸗ einſt noch ſegnen werde, als ihren Sohn mit offenen Armen empfangen, wenn er, wie er denn nicht anders könne, an der Hand jenes Mädchens vor ſie hintrete.

Das ſtumme Marmorbild gab auf all dieſe Fragen keine Antwort; aber es blickte fortwährend mit dem unausſprechlich rüh⸗ renden Ausdruck den Glauben an und reichte der Hoffnung die Hand, als wolle es ſagen: Glaube und hoffe! Auch waren ſeine Züge wie belebt; denn das Sonnenlicht, welches drüben durch eine rothe Scheibe herein fiel, warf ſo glänzende Farben auf den Mar⸗ morkopf, daß es die todten Züge ordentlich zu beleben ſchien. Eugen war mit dem Geſichte auf das Betpult niedergeſunken; da zitterten oben von der Wölbung der Kirche herab ernſte, feierliche, Orgelklänge, zuerſt in rührender Klage, dann in einer lieblichen tröſtenden Melodie, und die Töne, die ganz leiſe anfingen, ſchwol⸗

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