16 Einundvierzigſtes Kapitel.
hohen Steinmauern ein äußerſt angenehmes und freundliches An⸗ ſehen gab. Fenſter ſah man keine hier heraus, wohl aber zwei Reihen ſehr kunſtreicher Arkaden, welche um alle vier Mauern herum liefen und den erſten und zweiten Stock zu bezeichnen ſchie⸗ nen, auch zugleich für die Zimmer derſelben als Verbindungs⸗ gänge dienten.
An einer der Thüren, links von dem kleinen Thore, durch welches die beiden Freunde eingetreten waren, bemerkten ſie nun die erſten lebendigen Weſen. Das war ein Reitpferd, ein Jagd⸗ hund, ein Stallknecht und ein alter Herr, welche, jedes auf ſeine Art, beſchäftigt waren. Der Hund ſpitzte die Ohren und ſah die Eintretenden überraſcht und neugierig an, das Pferd wandte den Kopf mit einem leiſen Wiehern herum, wahrſcheinlich nach den Ställen, wo ſich ſeine Kameraden befanden. Der Knecht hielt es am Zügel und mochte dem alten Herrn etwas geſagt haben, welcher ihn aber nicht zu hören ſchien, indem er in dieſem Augenblicke die beiden Fremden anſah, die ſo plötzlich durch das Thor und vor ſeinen Blick traten.
Eugen trat auf den alten Herrn zu, nahm freundlich grüßend ſeinen Hut ab und bat um Entſchuldigung, ſo ohne Erlaubniß eingetreten zu ſein.„Mein Freund und ich,“ ſagte er,„haben, wie es ſcheint, den Hauptweg zum Schloſſe verfehlt, und erlaubten uns, zu der Hinterthüre einzutreten. Jetzt aber, da wir einmal oben ſind, bitte ich, uns geſtatten zu wollen, dieſes ſchöne Schloß und ſeine Umgebungen etwas näher zu betrachten.“
Der alte Herr, der, dem Aeußern nach zu urtheilen, ein Ver⸗ walter oder Rentamtmann ſein mußte, blickte die beiden Fremden mit klaren, freundlichen Augen feſt an; dann zog er eine Sammt⸗ kappe von grüner Farbe, die er auf dem Kopfe hatte, höflich grüßend herunter und erküderte, es mache ihm ein außerordentliches Vergnügen, ihnen dieſe Erlaubniß zu ertheilen, und wenn ſie ſpäter auch das Innere des Schloſſes zu ſehen wünſchten, bäte er nur,


