Teil eines Werkes 
12. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Einundvierzigſtes Kapitel.

offen ſtand, ſo ſtiegen ſie hinauf und ſahen nun einen Theil des

Schloſſes vor ſich liegen. Die Terraſſe hier war ebenſo angelegt,

wie die untere, nur daß die hohen Bäume, welche die Ausſicht benommen hätten, fehlten, und ſtatt derſelben zwiſchen Blumen⸗ beeten und Geſtellen mit duftigen Topfpflanzen überall kleine Par⸗ tieen der ſeltenſten und mannigfaltigſten Geſträuche waren, zwiſchen denen ſich der Weg hindurch wand.

Das Schloß erſchien auch hier als ein ſtattliches und gewal⸗ tiges Gebäude; doch war man zu nahe, um auch nur einen Theil deſſelben genau überſehen zu können. Hier lag vor dem Blick ein Theil des Gebäudes neben dem anderen, und eines erhob ſich wieder über dem anderen. Da waren flache Dächer mit, Terraſſen

und Zinnen neben hohen Giebeln, und zwiſchen zwei ſchlanken

Thürmen wölbte ſich ein gothiſcher Bogen, der offenbar einem dahinter liegenden Zimmer zum Balkon diente. Eine ſchwere Stein⸗ baluſtrade ſchloß den Bogen von vorn, und hier ſah man die erſten Zeichen, daß das Schloß bewohnt ſei. Auf dieſem Balkon befand ſich ein Blumentiſch mit zierlichen blühenden Geſträuchen, daneben ſtand ein kleiner Tiſch mit einem Lehnſeſſel, auf der Ba⸗ luſtrade ſelbſt lag ein Buch, und neben demſelben hing ein Damen⸗ ſhawl herab in röthlicher Farbe, was zwiſchen den grauen, gewal⸗ tigen Steinmaſſen dem Auge angenehm und wohlthuend erſchien.

Jetzt müſſen wir Achtung geben, ſagte der luſtige Rath, und auf jeden Fall mit der Hand bereit ſein, nach unſeren Hüten zu fahren; denn ich bin feſt überzeugt, im nächſten Augenblicke wird uns irgend ein knunrrender oder murrender Cerberus in den Weg ſpringen und uns fragen, warum wir uns zur Hinterpforte hereingeſchlichen, ſtatt den Haupteingang zu wählen, wie es anſtän⸗ dige Fremde ſonſt zu thun pflegen.

Die Beantwortung einer ſolchen Frage, entgegnete Eugen, ſcheint mir ſehr leicht zu ſein; wir mieden den hellen, ſonnen⸗ beſchienenen Fahrweg, wir ſchwangen uns durch der Wälder Dickicht