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12 Einundvierzigſtes Kapitel.
da ſie nun an dem kleinen Thurme angelangt waren, ſo ſprang Engen bei dieſen Worten über das zerbröckelte Mauerwerk, um
einen Blick in das Thal zu gewinnen.
Der luſtige Nath, der ihm gefolgt war, konnte nicht umhin, ehe er ein Gleiches that, auf die Fortſetzung des ſchmalen Weges zu blicken, auf dem ſie hieher gekommen und der ſich nun hart am Fuße des Thurmes herum wand.
Ja, es war ſo, wie Eugen geſagt. Dort ſenkte ſich der Weg hinab zu einem ſchattigen Grunde, der mit hochſtämmigen Bäumen bewachſen war.
Der luſtige Rath trat kopfſchüttelnd und lächelnd an die Seite ſeines Freundes.
Eugen blickte in das Thal hinab, das ſich weit, weit hinaus, rechts von ihnen, mit dem flachen Lande zu vereinigen ſchien. Die beiden Höhenzüge— der, auf welchem das Schloß ſtand, und der andere, von dem ſie geſtern Abend herabgeſtiegen waren— liefen
jenſeits des Dorfes auseinander und verflachten ſcheinbar wenige Stunden von da. Es mußte ein fruchtbares Land ſein, das Thal⸗ zwiſchen dieſen beiden Höhenzügen. Da erblickte man große Strecken⸗
mit Kornfeldern und unendliche Wieſen, auf welchen man hier, wie aus der Vogelperſpektive, das zwerghafte Treiben der Menſchen ſah, wie ſie mit Pferd und Wagen hinauszogen, wie ſie hier Haufen des duftigen Heues zuſammen trugen, dort das friſche Gras erſt niedermähten. Die letztere Arbeit konnte man deutlich erkennen an dem Blitzen der Senſen, wenn ſie ſo gehalten wurden, daß ein Sonnenſtrahl darauf fiel.
Zu ihren Füßen lag die Kirche und das Dorf, und ſie ſahen es wie heute Morgen, nur von einer anderen Seite; aber es war durch die Gleichheit der Dächer und der Schornſteine faſt ganz dieſelbe Anſicht. Dort war auch das Wirthshaus, die wilde Roſe, von der Sonne hell beſchienen, welche luſtig in den vielen Fenſtern glänzte. Auf der Terraſſe ſah man Leute, und die Frau Roſel ſaß vor der Hausthüre. 4
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