Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Einrichtung eines ländlichen Theaters. 253

Dieſes Mal haſt du falſch gerathen. Ich dachte nämlich

während. des Einſchlafens an den Namen des Wirthshauſes, in welchem wir uns befinden.

An die wilde Roſe! rief Herr Trommler.

Natürlich! lachte Herr Sidel,an eine wilde Roſe; das meinte ich ja vorhin auch.

Schweig, Spötter! ſagte Eugen,zu dir rede ich gar nicht mehr; du biſt unfähig zu irgend einer poetiſchen Auffaſſung.

Nun, die Auffaſſung war doch nicht unpoetiſch!

Ich dachte alſo an den Namen des Wirthshauſes, fuhr Eugen fort,und dieſer Name zur wilden Roſe klang mir merk⸗ würdig bekannt. Ich beſann mich hin und herv; ich dachte an meine Reiſen, an all die Gaſthöfe, wo ich ſchon geweſen, und erinnerte mich ſo vieler Namen derſelben, wie nur immer möglich. Umſonſt! Ich konnte mich nicht erinnern, jemals in einem Wirthshauſe deſſelben Namens geweſen zu ſein. Und doch klang die wilde Roſe unter meinen lebhaften Gedanken immerfort hindurch, wie ein be⸗ kannter, angenehmer Ton; und darüber ſchlief ich ein.

Herr Sidel war bei dieſen Worten ſichtlich in tiefes Nach⸗ denken verſunken; er ſtützte den Kopf auf die Hand, ſah einen Augenblick vor ſich nieder, dann aber hörte er aufmerkſam zu, was Eugen weiter ſagte..

Darauf träumte mir denn, fuühr dieſer fort,nach allerlei wirrem, unklarem Zeug von einem Abende, den ich mit dir bei dieſen Worten wandte er ſich an den luſtigen Rathin einer Geſellſchaft verbracht, wo du mich es iſt iſt noch gar nicht lange her hingeführt.

Ah, von der Leimſudia, rief hier Herr Sidel;jetzt dämmert mir auch ein Gedanke auf.

Ganz richtig, von der Leimſudia, ſagte Eugen.Aber wie ich im Traume ſo in die Geſellſchaft hinein kam, verlor ſich mein Gedanke an den Namen dieſes Wirthshauſes wieder; ich ſah aller⸗ lei tolle und wilde Geſchichten, dich unter Anderem als das Ideal

eines Leimſieders, und erſt nach und nach klärten ſich meine Träume