246 Neununddreißigſtes Kapitel.
„Das kannſt du nicht von mir verlangen,“ entgegnete der luſtige Rath mit komiſchem Ernſte;„denn wie du weißt, habe ich zur Erziehung gar kein Talent. Aber jetzt wäre es beſſer,“ fuhr er mit anderem Tone fort,„wenn wir uns nach unſerem Frühſtück umſähen. Es riecht aus der Küche ungeheuer appetitlich herauf nach friſch gemahlenem Kaffee und neugebackenem Brod.— He! du Kleine!“.
Dieſer Ausruf galt Marien, der Wirthstochter, welche im Begriffe war, ſich auf die Terraſſe neben dem Hauſe zu begeben.
Das junge Mädchen ſah augenblicklich in die Höhe.
„Die iſt faſt zu hübſch,“ ſagte Herr Sidel zu Eugen,„als daß ich ſo vom Fenſter herab mit ihr ſprechen dürfte.“
„Thu es immerhin!“ entgegnete dieſer;„denn ich halte es noch für viel unpaſſender, ſie ſo lange warten zu laſſen, bis du dich mit deiner dicken Figur hinabgewälzt haſt.“
Dieſem Rathe folgend, ſprach alſo Herr Sidel zum Fenſter hinab; doch verwandelte er das vertrauliche„Du“ in ein reſpekt⸗ volles„Sie.“
„Würden Sie nicht die Güte haben,“ ſagte er demgemäß,
„uns freundlichſt für ein Frühſtück beſorgt ſein zu wollen? Kaffee,
Butter und Brod.“
„Für zwei Herren?⸗ rief das Mädchen herauf.
„Natürlich, für Zwei!“
„Und der Herr Hannibal?“ ſagte lächelnd das Mädchen. „Nichtig!“ antwortete der luſtige Rath, jetzt Herr Müller genannt,„Herrn Hannibal hätten wir beinahe vergeſſen.“
„ Dieſer Künſtler,“ nahm Eugen das Wort,„wird für ſich allein frühſtücken; aber wenn es Ihnen keine große Mühe machte, mein liebes Kind, ſo würde ich Sie bitten, unſeren Kaffee auf die Terraſſe bringen zu laſſen; es muß ſich da vortrefflich frühſtücken laſſen.“ 3
„Recht gern!“ rief das Mädchen, und ſprang ins Haus zurück.
„Betrachte doch einmal dieſe Kirche,“ ſagte Eugen nach einer Pauſe,„ſieh den viereckigen Thurm, überhaupt die zierliche, hübſche Bauart des Ganzen an und betrachte dir dort an dem Chor jene
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