238 Achtunddreißigſtes Kapitel.
fühlt und begreift, ſo geräth er oft in eine unbeſchreibliche Wuth, und es muß nicht ſelten vor ihm und ſeinem Schwerte Alles von der Bühne flüchten. Ja, es geſchah mir einmal, daß er ins Or⸗ cheſter hinunter ſprang und anfing, einen armen Klarinettiſten zu prügeln, von dem er behauptete, er ſchneide ihm abſichtlich die fürchterlichſten Geſichter, und jener arme Teufel ſchnitt doch nur die Geſichter deßhalb, weil er es ſich beim Blaſen ſo angewöhnt hatte.“
„Und gibt es Niemanden, der in ſolchen Augenblicken eine Kraft auf ihn ausübt, der ihn von ſo lächerlichen Streichen abzu⸗ halten vermag?“ fragte die Wirthin.
„Es gab Jemanden,“ entgegnete düſter der Direktor,„und das war das kleine Kind, das uns geſtorben iſt. Dieſes liebte er über Alles; er war ihm mit einer rührenden Anhänglichkeit zugethan, und die Spielereien des kleinen Weſens wirkten beruhigend auf ſeinen Gemüthszuſtand. Wenn er ſpielte, mußte das Kind auf ſeinem Stühlchen hinter der Couliſſe ſitzen, und wenn dies geſchah, ſo hatten wir niemals den Ausbruch ſeines ſchlechten Humors, wie er ſeinen Zuſtand ſelbſt zu benennen pflegte, zu befürchten. Er blieb alsdann meiſtens ruhig, und wenn er ſich je einmal erhitzte oder aufgeregt wurde, ſo begnügte er ſich mit einigen Extempora⸗ tionen, welche das Publikum nicht verſtand, die aber auch nicht weiter ſtörten.“
„Jetzt haben Sie aber auf einmal drei neue Leute engagirt, die geſtern zuerſt mit Ihnen kamen?“
„Mit denen hat es, glaube ich, eine eigene Bewandtniß,“ ſprach pfiffig lächelnd der Direktor.„Unter uns geſagt, glaube ich nicht, daß ſie ſchon viel auf den Brettern gearbeitet; jedenfalls ſind es Leute, die in guten Verhältniſſen waren.“
„Und die noch in keinen ſchlechten ſind,“ entgegnete Frau Roſel leiſe und wandte ihr Geſicht dem Schauſpieldirektor zu. „Der Eine von ihnen, der kleine Dicke, ließ ſich heute Morgen er⸗ kundigen, was die Zimmermiethe und das Frühſtück für die Woche
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