Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Das Wirthshaus zur wilden Roſe. 237

Als wir einmal irgendwo waren, wo die wahre Kunſt gar nicht ziehen wollte und wo wir uns auf allerlei Gaukeleien und Hans⸗ wurſtiaden verlegen mußten, da machte er ein verfluchtes Kunſtſtück nach, das ſie jetzt in den großen Städten ſehen laſſen: er ſpazierte nämlich auf einer Kugel, die ſich unter ſeinen Füßen drehte, ein ſchief gelegtes Brett auf und ab, und dabei fiel er eines Tages hin ich hatte ihn oft genug gewarnt und verletzte ſich ſo. daß er daran ſtarb.

Das iſt aber ganz ſchauderhaft! meinte die Wirthin.

Ja wohl, entgegnete anſcheinend ruhig der Direktor,wie ſo Manches in der Welt.

Apropos! fragte die Wirthin nach einem augenblicklichen Stillſchweigen weiter,was macht denn Herr Holder, der große Schauſpieler mit der ſchönen Stimme?

Der Direktor zuckte die Achſeln und zog die Stirn in Falten. Darauf ſchaute er ſich um, ob ihn von den Mägden Niemand be⸗ lauſche, und ſagte:Das iſt eine ganz eigenthümliche Geſchichte, Frau Roſel. Er iſt freilich noch bei mir, kam geſtern mit dem zweiten Wagen, iſt, wenn er guten Willen und keine böſe Laune hat, heute noch ein Künſtler, deſſen ſich keine Hofbühne zu ſchämen brauchte; aber hier damit zeigte er auf die Stirn wird es immer ſchlimmer.

Das erſchreckt mich, ſagte die Frau;er thut einem doch am Ende nichts zu Leide?

O, unbeſorgt! entgegnete der Schauſpieldirektor;er iſt im gewöhnlichen Leben wie ein Kind; ja, wie ein kleines Kind, ſetzte er ſeufzend hinzu,und nur Abends, wenn er vor den Lampen ſteht, da zeigen ſich oftmals Spuren des zerſtörten Denkvermögens. Das fängt ſo an, daß er in dieſen Fällen ſeine Rolle plötzlich ganz und gar vergißt. Zuweilen hilft er ſich nun durch ein höchſt geiſt⸗ reiches Extemporiren; aber wenn er dazu nicht im Stande iſt, ſeine Gedanken zu ſammeln, und er die traurige Schwäche ſeines Kopfes