Das Wirthshaus zur wilden Roſe. 239
ausmache, und nachdem man es ihm geſagt, zahlte er für vierzehn
Tage voraus.“ „Das iſt mir nicht unlieb,“ meinte der Direktor;„ſie werden
alsdann keine großen Anſprüche an mich machen, und ihre Stellen
4 füllen ſie doch ſo gut als möglich aus.“
„Werden Sie uns ſchöne Stücke geben?“ fragte die Wirthin. „Ach, da ſind ein paar, die möchten wir gar zu gern noch einmal ſehen!“ 4
„Sie wiſſen, Frau Roſel,“ ſagte der Direktor lächelnd,„daß ich Sie immer zu Rathe zog, wenn ich mein Repertoire entwarf, und das ſoll auch dieſes Mal geſchehen, wenn Sie alsdann billige Wünſche haben.“ 3
„Gewiß ſehr billige,“ antwortete Frau Roſel.„Da iſt mein Leibſtück, die Räuber auf Maria⸗Culm; dann der Hans Sachs; den habe ich neulich in der Stadt geſehen. Ich bin überzeugt, wenn Sie den Hans Sachs ſpielen, ſo geht ſogar der Herr Pfarrer ins Theater; denn das iſt doch gewiſſer Maßen ein chriſtliches Stück; und wenn wir den Herrn Pfarrer nur einmal dazu bewegen können, ſo hat's durchaus keine Schwierigkeiten mit den ſchwarzen Kirchenmänteln und den beiden alten Ritterſchwertern, die ſich in der Sakriſtei befinden; es ſind ſogar drei neue dazu gekommen.“
„Was, Ritterſchwerter?“ ſagte der Direktor mit zufriedener Miene; denn in dem Artikel war er ſehr ſchwach verſehen.
„Gott bewahre!“ entgegnete die Frau;„Kirchenmäntel. Ich habe ſelbſt einen geſtiftet; er iſt dunkelbraun, faſt wie ſchwarz, die anderen aber ſind ganz ſchwarz.“
„Ah ſo! das iſt nicht ſo übel.“
„Dann noch Eins,“ fuhr die Wirthin fort, welche eine große Freundin der Kunſt war und den Direktor von jeher auf jede Weiſe und beſtmöglich unterſtützt hatte;„da haben ſie auch hier ein Feuerlöſcheorps eingerichtet; es ſind ihrer Zwanzig, und die haben ſich lederne Helme machen laſſen mit kupfernen Knöpfen dar⸗


