Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Das Wirthshaus zur wilden Roſe. 235

daß ich mit dem, was ich damals beſaß, noch ſo auf dem Laufen⸗ den geblieben bin. Freilich, einen unerſetzlichen Verluſt habe ich gehabt: der kleine Bub', der, als ich mich zum letzten Male hier befand, zwei Jahre alt war wiſſen Sie, Sie hatten ihn ſo gern, er lief Ihnen überall nach, und Sie thaten dem armen kleinen Ge⸗ ſchoͤpf ſo viel Liebes und Gutes, Gott möge es Ihnen vergelten! der iſt gleich nachher geſtorben. Es ging mir ein ganzes Stück von der Seele ab, wie ich das Kind verlor.

Es war eigentlich gut, daß der Schauſpieldirektor das Geſpräch, wenn auch ohne Abſicht, auf etwas Trauriges brachte; denn das aufgeregte Gemüth der Frau Roſel beruhigte ſich ſichtlich dabei, und ſie war froh, aus dem hellen, glänzenden, ſonnenbeſchienenen Ankergrunde ihres Gelächters von vorhin wegſegeln zu können in eine ſchattige kühle Bucht, an deren Ufern Trauerweiden herab⸗ hingen. 3

Ja, ſagte ſie nach einer Pauſe,das war ein herziges Kind; ich hätte es ſo gern bei mir behalten; wenn Sie es mir gelaſſen hätten, wäre es vielleicht nicht geſtorben.

Glauben Sie das ja nicht, Frau! rief faſt erſchrocken der Schauſpieldirektor;wir haben das Kind gepflegt, wie nur immer möglich, und als es anfing, krank zu werden, hielten wir in einem kleinen Dorfe an, und ich miethete eine gute Stube, wo die Frau mit dem Kinde blieb, während ich vorausziehen mußte, um Theater zu ſpielen und Geld zu verdienen. Damals gelangen mir, fuhr der Mann fort,alle nachdenkenden finſteren Charaktere wie ſonſt nie; denn ich dachte an das Kind, wenn ich mich anzog, und das gab meinem Geſichte ein betrübtes Ausſehen, und wenn ich vor dem Publikum ſtand und ſpielte, dann dachte ich immer wieder nur an das kranke Kind, und dadurch klang meine Stimme dumpf und kläglich. Doch das iſt hinter uns, wie ſo Vieles von was Anderem denn! Erzählen Sie mir lieber Ihre Geſchichte von da⸗