234 Achtunddreißigſtes Kapitel.
nachdem ſie ihrer Tochter ſtreng anbefohlen, augenblicklich die Küche zu verlaſſen und einſtweilen nach dem Hühnerhofe zu ſehen.
Das that denn auch Marie als ein folgſames Kind ſogleich; doch ſprang ſie vorher auf die Mutter zu, ſchlang ihr die beiden runden Arme um den Hals, küßte ſie auf den Mund und ziſchelte ihr darauf in die Ohren:„aber vergiß mir die Geſchichte nicht!“
Damit ſprang ſie in großen Sätzen nach der Küchenthüre, und ein gelinder Klapps, den die lachende Mutter nach dieſer un⸗ artigen Tochter führte, traf nur ihr Kleid und wurde draußen auf dem Gange mit einem freundlichen Lachen beantwortet.
„Sehen Sie, ſo geht's, wenn man zu gut iſt,“ ſagte Frau Roſel, nachdem ſie wieder zu Athem gekommen war, zu dem Schau⸗ ſpieldirektor.„Das böſe Ding kennt meine ſchwache Seite! Wie andere Leute kitzelig an ihrem Körper ſind, ſo bin ich, wenn ich mich ſo ausdrücken darf, kitzelig im Lachen, und wenn man mich in dem Punkte ſchon des Morgens beunruhigt, ſo habe ich auf den ganzen Tag keine ſtille Viertelſtunde mehr. Und das weiß das ausgelaſſene Geſchöpf. Ich bin darin eine ganz unglückliche Frau, und wenn ſie mich heute unter Tags nur anſieht, und mag da zugegen ſein, wer will, ſo muß ich laut hinausplatzen.“
„Aber war denn die Geſchichte wirklich ſo ſchlimm?“ fragte der Direktor, und gewiß nicht in der Abſicht, Frau Roſel zum Lachen zu bringen, wie es vorhin Marie gethan. Doch zuckte ſchon bei dieſer Frage wieder auf's Neue ein wahres Gewitter von Lachen in den Augen und Mundwinkeln der Wirthin, und ſie rief aus: „laſſen Sie mich um Gotteswillen zufrieden mit der Geſchichte! Jetzt fangen auch Sie an, mich zu quälen! Sprechen wir von etwas Anderem, Vernünftigerem.— Wo waren Sie eigentlich all die Zeit über?“ 5
„ Wo ſoll ich herumgekommen ſein?“ ſagte mit einem trüben Lächeln der Schauſpieldirektor;„bald hier, bald da. Viel gewon⸗ nen habe ich in den ſechs Jahren nicht, und bin in der That froh⸗
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