Achtunddreißigſtes Kapitel.
ſiten und Coſtumen. Frau Roſel hatte ihren alten Bekannten lachend empfangen, und ihm, ſowie ſeiner Geſellſchaft, auf das Billigſte recht ordentliche Zimmer angewieſen. Auch hatte ſie ſo⸗ gleich Befehl gegeben, den großen Tanzſaal im Hinterhauſe, der während des Sommers zur Aufbewahrung von allerlei Geräth⸗ ſchaften benutzt wurde, alſobald auszuräumen und reinlich zu putzen. Das war noch des Morgens in aller Frühe geſchehen, und als der unermüdliche Prinzipal ſchon um ſechs Uhr eine Inſpektion jener Räumlichkeiten unternahm, ſah er zu ſeinem großen Vergnügen, daß hier ſchon ſehr viel geſchehen ſei. 2
Frau Roſel war bereits in ihrer Küche beſchäftigt, und dort⸗ hin begab ſich auch der Schauſpieldirektor, um der Wirthin einen guten Morgen zu wünſchen. Sie ſaß neben ihrem Herde, auf dem ein gewaltiges Feuer loderte und die umfaſſendſten Zubereitungen für verſchiedene Frühſtücke gemacht wurden. Ihre Tochter Marie, ein hübſches, junges Mädchen, von vielleicht achtzehn Jahren, das genaue Ebenbild der Mutter und deßhalb ſehr ähnlich dem Portrait im Gaſtzimmer, ſchüttelte aus einer gewaltigen Kaffeemühle die gemahlenen Bohnen in einen großen Topf, aus welchem ſpäter die verſchiedenen kleineren angefüllt wurden.
„Nun, das freut mich wirklich,“ rief Frau Roſel dem Schau⸗ ſpieldirektor entgegen,„daß Sie ſich einmal wieder hieher nach Schloßfelden verirrt haben; jetzt ſind es bereits vier Jahre.— Ich glaube doch, es ſind vier Jahre; nicht wahr, Marie?“ unter⸗ brach die Wirthin den eigenen Strom ihrer Rede.
„Behüt' uns Gott, Mutter!“ ſagte die Tochter;„das ſind wenigſtens ſchon ſechs Jahre.“
„Meinſt du wirklich, ſechs Jahre?“
„Gewiß, Mutter, ſechs Jahre! Frag nur den Herrn Di⸗ rektor.“
„Dann war es in jenem Sommer,“ ſagte ſichtlich erheitert Frau Roſel,„als die vielen Extrapoſten durchkamen. Nein, die


