228 Achtunddreißigſtes Kapitel.
aber wehmüthig die Augen, trank ihr Schnapsglas leer und deutete alsdann auf ihr Herz, als wollte ſie ſagen: hier ſteht's geſchrieben!
Madame Klingler, die ſehr in der Laune war, einen kleinen
Sctreit anzufangen, hätte gewiß gar zu gern gefragt, was denn eigentlich da geſchrieben ſtehe; doch hob Madame Schoppelmann die Sitzung auf und verabſchiedete die beiden Weiber.
Katharina ging in ihr Zimmer zurück, ſetzte ſich mit gefalteten Händen an ihr Fenſter, und wenn auch zuweilen in ihrem Herzen etwas aufzucken wollte wie ein früherer glücklicher Gedanke, wie das Bild eines neuanbrechenden ſonn⸗ und roſenbeglänzten Lebens⸗ tages, ſo zerriß doch gleich darauf ein heftiger Schmerz dieſe glückſeligen Phantaſieen; ſie preßte die rechte Hand feſt auf ihr wild klopfendes Herz und ſagte: Er hat mir ja nicht die geringſte Nachricht von ſich gegeben, er hat mir ja nicht ein einziges Wort geſchrieben, nicht einmal zwei kleine Worte— er hat mich vergeſſen!
Achtunddreißigſtes Kapitel.
Der geneigte Leſer lernt das Wirthshaus zur wilden Roſe, ſowie kleine Ti 3 näher kennen.
heaterverhältniſſe
Das Gaſthaus zur wilden Roſe, an welches wir den geneigten Leſer in einem der vorhergehenden Kapitel führten, lag faſt am äußerſten Ende des bedeutenden Dorfes, deſſen erſter Gaſthof, Poſt⸗ und Schauſpielhaus es zugleich war. Das Haus an ſich war groß und geräumig, hatte im unteren Stock bedeutende Räum⸗ lichkeiten für Schenkſtuben verſchiedener Grade; ſo z. B. war eine da für die durchreiſenden Fuhrleute mit ihrem Anhange, eine zweite


