Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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44 Vierundzwanzigſtes Kapitel.

„Schweigen Sie davon,“ ſagte die alte Jungfer mit nieder⸗ geſchlagenen Augen.

„Nein, es iſt wahr,“ fuhr Frau Schilder eifrig fort,„gewiß und wahrhaftig, dann heirathen ſie augenblicklich, wenn ſie eine geſetzte, ſittſame, ruhige und gottgefällige Jungfrau finden.“

„Und warum thut er das nicht?“ fragte Clementine, die den letzten Satz überhören zu wollen ſchien.

„Was? das Heirathen?“

„Ach nein! Das Fortgehen, das achte Examen machen!“

Frau Schilder ſtrich bei dieſer Frage ihre Schürze glatt und ſagte nach einem längeren Stillſchweigen:„das darf ich nicht ſa⸗ gen, das hat er mir ſtreng verboten.“

„Aber ich bitte Sie, Frau Schilder!“

„Nicht um alle Schätze der Welt! Ich habe ihm das feierlich gelobt, und Sie wiſſen, ein Gelöbniß muß man halten. Wozu nützt es auch, hat er geſagt, wozu nützt es auch, was in ihren Augen— damit meinte er Sie, Jungfer Clementine— was mich vor ihr, die ich liebe, nur herabſetzen könnte?“

Wenn die Jungfer Strebeling ebenſo ſchlau geweſen wäre, wie die Frau Schilder, ſo hätte ſie in dieſem Augenblicke, um das zu erfahren, was ſie erfahren wollte, nicht ſchlauer handeln können, als ſie ohne Abſicht that, daß ſie nämlich ganz ſtill ſchwieg und in tiefes Nachſinnen verſank.„Hollah!“ dachte die würdige Dame;„mir gegenüber will ſie wirklich nichts weiter wiſſen, will ſich zurückziehen, da muß ich wahrhaftig ein Bischen nachhelfen.— „Ja, wenn es was nützen könnte,“ ſagte ſie mit einem tiefen Seuf⸗ zer,„dann würde ich mich wahrhaftig ſeinem ganzen Zorne ausſetzen und ſein Geheimniß verrathen.“

„Nützen,“ entgegnete Clementine mit leuchtenden Blicken; „warum das nicht, meine gute Frau Schilder? Wenn ich ihm helfen kann, wenn ich ihm nützen kann, ſo iſt ihm ſchon geholfen. Spre⸗ chen Sie ohne Scheu!“

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