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40 Vierundzwanzigſtes Kapitel.
kennt, habe ich aufs Dringendſte beſchworen, nie etwas darüber auszuſagen. O, Clementine! machen Sie keinen Verſuch, dieſe würdige Frau zu veranlaſſen, daß ſie ihr ehrenhaftes Stillſchwei⸗ gen breche.
„Bis dahin
„Ihr ewig treu Liebender.“
Dieſen Brief erhielt Clementine an einem der nächſten Tage früh des Morgens; ſie hatte kaum ihren Kaffee zu ſich genommen. Es war, wenn wir anders nicht irren, ein Sonntag. Draußen läu⸗ teten ſämmtliche Glocken der Stadt, und im Nebenzimmer ſang die Choriſtin des königlichen Hoftheaters:
Iſt denn Liebe ein Verbrechen, Darf man denn nicht zärtlich ſein?
Abends war nämlich die Zauberflöte, und ſolcher Geſtalt prä⸗ parirten ſie ſich zu der Probe, die dieſen Morgen noch Statt fand.
Clementine las das Schreiben ein⸗, zwei⸗ und dreimal durch und weinte, daß die Menſchen nach ihrer Meinung ſo unglücklich ſeien. Denn welch' gefühlvolles Herz in dieſes Schreiben hinein⸗ blickte! Sie konnte nur einen Augenblick zweifeln, der Verfaſſer deſſelben ſei unglücklich, er bedürfe ſehr eines freundlichen Troſtes, und ihm dieſen Troſt zu reichen, ja auch Hülfe, wenn es nöthig ſei, dazu war Clementine augenblicklich entſchloſſen. Aber nie ſollte ſie etwas von ſeinen Verhältniſſen erfahren? Wem waren dieſe Verhältniſſe bekannt? Niemanden als der würdigen Frau Schilder. Und hatte er nicht ausdrücklich gebeten, mit den rührendſten Worten gefleht, gerade dieſer braven Frau nie das Geheimniß ſeines Lebens zu entlocken? 2
Clementine ſann lange hin und her und ſeufzte tief: O Gott! Welcher Art konnten dieſe Verhältniſſe ſein, in welchen ſich der junge Mann befand? Feſſelten ihn am Ende andere zarte Bande


