Beweiſe eines guten Herzens. 39
Vierundzwanzigſtes Kapitel.
Worin Jungfer Clementine Strebeling große Beweiſe ihres guten Herzens, aber gar keine
von Lebenserfahrung gibt.. 4
„Geliebteſte Clementine!
„Ja, ich kann mir ſchon erlauben, über das Theure hinweg⸗ zuhüpfen und Sie in einem Prädikat zu begrüßen, wie es aus der Fülle meines liebenden Herzens gewaltſam herausquillt. Nicht um alle Schätze der Welt— ſo nöthig mir von dieſen Schätzen Eini⸗
ges wäre— gäbe ich die Erinnerung der geſtern mit Ihnen ver⸗ lebten Stunden. O Gott, wie war ich ſo glücklich! Wie zittert noch jetzt meine Hand, indem ich es niederſchreibe. Das war eigentlich zu viel Glück an Einem Tage. Ihre lieben Zeilen, welche ich durch die brave und würdige Frau Schilder erhielt, und jene Zuſammenkunft an Einem Tage! Ach, geliebteſte Clementine, könnte ich doch frei über meine Zeit verfügen, wäre ich doch nur in au⸗ deren Verhältniſſen! Doch ſo bin ich ein armes, gefeſſeltes Weſen. — Aber, o Gott! wie kann man ſo etwas mit der Auserkorenen ſeines Herzens ſprechen? Ich würde es auch nicht thun, wenn nicht meine grenzenloſe Liebe mir den Muth dazu gäbe. Ach, wie geſagt, ich bin ein armes, gefeſſeltes Weſen, ja, gefeſſelt und ge⸗ knechtet durch die drückenden Verhältniſſe dieſes miſerablen Lebens — aber ſprechen wir nicht mehr davon, kein Wort mehr hierüber! Nichts ſoll im Stande ſein, mir etwas Näheres über dieſe meine Verhältniſſe zu entlocken. Wen würde es auch intereſſiren? Sie? o Gott! Sie— du— Clementine!————— Weg mit dieſen Gedanken! Sie blitzen Höllenflammen in mein Herz. 3 „Auch die Frau Schilder, welche meine Verhältniſſe genau


